Stranger Things 2

Es ist schwer, geradezu unmöglich, es nicht mitgekriegt zu haben, aber am 27. Oktober 2017 veröffentlichte Netflix die zweite Staffel (oder eher den zweiten Teil) des Serienhits und 80er Revivals Stranger Things. Nach Monaten der Vorfreude ist dieser langerwartete Feiertag also gekommen und vergangen. Auf das durch den Verzehr von Süßigkeiten und gefrorenen Waffeln verursachte Verpackungsmassaker sowie einen großen Komposthaufen verfaulender Kürbisse zurückblickend, stellt sich jetzt also die Frage, wie gut einem das Serienfest in Erinnerung bleibt.

     

Fast ein Jahr ist es her, seitdem Will Byers unter mysteriösen Umständen verschwand, seine Freunde Mike, Dustin und Lukas sich mit der mysteriösen Eleven anfreundeten und seine Mutter Joyce gegen alle Widerstände Himmel und Hölle in Bewegung setzte, um Will zurückzukriegen. Ein Jahr, seitdem auch Nancys beste Freundin Barb wie Will von einem Monster entführt wurde, Nancy zusammen mit Wills Bruder Jonathan auf Monsterjagd ging, Eleven besagtem Monster – dem Demogorgon – den Garaus machte und sich dabei in Luft auflöste. Und ein Jahr, seitdem Sheriff Jim Hopper eine Abmachung mit der Regierungsorganisation schloss, die das ganze zu verantworten hatte, indem sie ein Tor in eine andere Dimension, dem Upside Down, öffneten.
Das einjährige Jubiläum seit Wills Verschwinden rückt nun also genauso wie Halloween immer näher, aber eine Normalisierung will sich nur schleppend einstellen. Will ist zwar in seinen Freundeskreis zurückgekehrt, hat aber immer noch sehr lebhafte Visionen vom Upside Down, in denen er das Gefühl hat von einer bösen Präsenz beobachtet zu werden. Auch wegen diesen Visionen oder Flashbacks muss sich Will immer noch regelmäßig zu Untersuchungen im Hawkings National Laboratory einfinden, wo dessen neuer Leiter Dr. Owens bezüglich des Portals zum Upside Down eher Schadenskontrolle betreibt, als dessen Erforschung weiter voranzutreiben. Joyce, wenn sie Will denn mal aus den Augen lassen kann, ist derweil eine gesunde Beziehung mit dem Radioshack-Verkäufer Bob Newby eingegangen. Die Beziehung zwischen Nancy und Steve steht dagegen immer noch im Schatten von Barbs Verschwinden, da deren Eltern nicht wissen, dass Barb dem Demogorgon zum Opfer gefallen ist und weiter Hoffnung für Barb hegen. Nancy drängt darauf, Barbs Eltern deren Schicksal mitzuteilen, Steve aber versucht sie aus Angst vor der Regierungsorganisation eben davon abzubringen, während Jonathan dem Paar mehr sehn- als eifersüchtig hinterherschaut. Die Jungs haben derweil andere Probleme, denn ein mysteriöser Jemand unter dem Spitznamen MADMAX toppt nach und nach ihre Automaten-Rekorde in Hawkings‘ Spielhalle. Wie es der Zufall so will, kommt kurz darauf eine neue, zugezogene Mitschülerin in ihre Klasse, die den Namen Maxine trägt. Während Dustin und Lukas ganz hin und weg von der gleichaltrigen, videospielenden und skateboardenden Weiblichkeit in ihrer Klasse sind, trauert Mike immer noch der verschollenen Eleven hinterher. Diese hat es nach ihrem Showdown mit dem Demogorgon ins Upside Down verschlagen, doch hat sie ihren Weg in die normale Welt schnell zurückgefunden. Um Mike nicht in Gefahr zu bringen, hält sie zu diesem Abstand und ist nach Monaten in der Wildnis bei Sheriff Hopper untergekommen. Der versteckt Eleven in einer abgelegenen Hütte im Wald und geht gleichzeitig einer seltsamen Seuche nach, die die Pflanzenwelt rund um Hawkings befällt.

Die Stranger Things-Familie bekommt Zuwachs

Originaltitel Stranger Things 2
Jahr 2017
Land USA
Episoden 9 (1 Staffel)
Genre Horror, Mystery, Science-Fiction
Cast Joyce Byers: Winona Ryder
Jim Hopper: David Harbour
Eleven: Millie Bobby Brown
Mike Wheeler: Finn Wolfhard
Will Byers: Noah Schnapp
Dustin Henderson: Gaten Matarazzo
Lucas Sinclair: Caleb McLaughlin
Nancy Wheeler: Natalia Dyer
Jonathan Byers: Charlie Heaton
Steve Harrington: Joe Keery

Außer den altbekannten Figuren zieht es in dieser Staffel noch einige Personen mehr nach Hawkings. Neben Maxine (Sadie Sink) lernt man auch deren gutaussehenden, aber tyrannischen älteren Stiefbruder Billy (Dacre Montgomery) kennen, der die von Steve aufgegebene Rolle des Highschool-Arschlochs nicht nur übernimmt, sondern darin noch brilliert. Mit Bob (Sean Astin aus Der Herr der Ringe) wird Joyce in dieser Staffel ein ausgesprochen normaler und sympathischer Ruhepol zur Seite gestellt, der auch etwas ausgleichend auf ihre immer noch andauernde Sorge um Will wirkt. Den in Hawkings wütenden mysteriösen Ereignissen wird mit Murray Bauman (Brett Gelman) nun auch ein passender Verschwörungstheoretiker zugewiesen, während die dazugehörige Geheimorganisation mit Dr. Owens einen neuen Leiter bekommen hat, der zwar sehr viel freundlicher daherkommt als sein Vorgänger, aber dem man vielleicht auch nicht zu 100% trauen kann. Eine ambivalente Rolle, mit der Paul Reiser ja schon aus Aliens etwas vertraut ist. Über Dustins neues Haustier Dart oder auch über die junge Kali (Linnea Berthelsen) sei vielleicht nicht zu viel verraten, außer dass letztere eine Acht auf ihr Handgelenk tätowiert hat. Zwar macht sich der Castzuwachs insgesamt sehr gut, doch wundert man sich vielleicht auch etwas über die schiere Masse. In der Tat hat man das Gefühl, dass die neuen Figuren den etablierten etwas zu viel Zeit wegnehmen und gleichzeitig selbst nicht voll zur Geltung kommen. Doch da die Staffeln drei und vier bereits in Vorbereitung sind, kann man dies durchaus als Anzahlung in die Zukunft sehen, denn sowohl in dem Schul- als auch im Schattenwelt-Orbit der Serie wurden diverse Erzählstränge etabliert, auf denen aufgebaut werden und auf die man gespannt sein kann.

Retromomente in der Retroserie

Trotz dieser Neuerungen kann man sich definitiv auch wieder auf das freuen, was einem auch schon in der ersten Staffel begeistert hat. Neben dem Synthesizer-Geist des 80er Kinos, wechselt Joyce einmal mehr in ihren Super-Beschützer-Modus und verunstaltet ihr Haus. Erneut begeistert Eleven mit ihren telekinetischen Kräften und ihrer weltfremden Lakonik und auch ereilen einem wieder (ver)störende Todesfälle. Diese erzielen zwar ihren geplanten dramatischen Effekt, wobei mindestens ein unscheinbares Dahinscheiden von den Serienmachern in seinen Ausmaßen wohl ähnlich unterschätzt wurde, wie Barbs Tod in der ersten Staffel: Die Katze von Dustins Mutter: Mews  Neben mehr Hintergründen rund um die Experimente an Eleven oder das Upside Down, bekommt die unerwartete Figurenkonstellation aus Dustin und Steve viel Spielraum, die überraschend gut funktioniert und wahrscheinlich eine der brennendsten Fragen der ersten Staffel beantwortet: Wie kriegt Steve seine Frisur so gut hin? Auch die Kombination aus Hopper – dessen Tochter Sara ja an Krebs gestorben ist – und Eleven, die alles andere als gute Erfahrungen mit ihrer bisherigen Vaterfigur Dr. Brenner gemacht hat, sorgt für die emotionaleren Momente in dieser Staffel.

Auf Staffel zwei zurückblickend ist für mich vielleicht das Verblüffendste, dass ich nicht wie nach der ersten Staffel begeistert Purzelbäume schlage. Das liegt wahrscheinlich schlicht daran, dass die zweite Staffel – wenn auch einige Aspekte natürlich fortsetzungstypisch gesteigert wurden – schlicht nicht besser ist als die erste. Sie ist allerdings auch nicht schlechter und da die acht Folgen vom letzten Jahr ziemlich nah am Rande absoluter Perfektion waren, will das schon einiges heißen. Der einzige Minuspunkt, der mir einfällt, ist, dass das so nervenaufreibende Verschwinden von Eleven (gar ihr vermeintlicher Tod) am Ende der ersten Staffel etwas zu schnell und schnörkellos aufgelöst wird und quasi auch nichts mehr den Vorabtrailern beizusteuern hat. Abgesehen davon baut Stranger Things 2 die Erzählwelt rund um Hawkings weiter aus, bringt ikonische Momente zurück, ohne dass sie wie ein billiger Aufguss wirken, und ist auch sonst wieder ziemlich nah dran an der Perfektion. Wäre der zweite Teil ein normallanger Film und keine 8-9 stündige Serie, die mich bis in den Morgengrauen wachgehalten hat, hätte ich sie mir nach dem Ende problemlos direkt noch ein zweites Mal ansehen können.

Zweite Meinung:

Obwohl Stranger Things mit der ersten Staffel die Messlatte für den Nachfolger unerhört hoch gelegt gelegt hat, geht die neue Season sowohl inhaltlich als auch qualitativ noch einen Schritt weiter. Wieder einmal beweisen die Duffer-Brüder, die Schauspieler und generell der ganze Cast, dass der Erfolg der ersten Staffel kein Zufall war und sie dasselbe Niveau mühelos halten, ja sogar noch einmal ein bisschen Spannung, Abenteuerlust und Gänsehaut obendrauf packen können. Es gibt nicht viele Serien, die sich als ein so perfekter Hochgenuss herausstellen, und mein Herz jubiliert, dass das Sequel meine Erwartungen noch übertreffen konnte.

Diesen Artikel teilen

Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
wpDiscuz