The Expanse

Nachdem die zweiten Staffel von The Expanse bereits im April 2017 auf dem US-Fernsehsender Syfy fertig ausgestrahlt wurde, sind die 13 neuen Folgen der aktuell wohl besten Science-Fiction-Serie fünf Monate später nun auch in Deutschland auf Netflix zu bestaunen. Bevor man mit der Mannschaft der Rocinante in die zweite Runde geht, um die Ereignisse rund um das Protomolekül aufzudecken, oder überhaupt erst mit The Expanse anfängt, sollte man sich besser einiges an Zeit freimachen, denn es gibt kaum eine Serie, bei der die ungezügelte Binge-Gefahr derart hoch ist.

  

300 Jahre in der Zukunft hat sich die Menschheit in dem uns bekannten Sonnensystem ausgebreitet. Die verfeindeten Supermächte einer dekadenten, von den Vereinten Nationen geführten Erde und einer militarisierten Mars-Republik üben sich atomwaffenstarrend in der Kunst des kalten Krieges, während ein verarmter und unterdrückter Kulturkreis aus allerlei Stationen und Stützpunkten rund um den Asteroidengürtel des Sonnensystems (dem Belt) sich unter anschwellenden nationalistischen Tönen immer weiter radikalisiert. Die Geschichte folgt dabei in der ersten Staffel hauptsächlich drei Perspektiven: Joe Miller, dem Belter-Ermittler einer privatisierten Polizei, dem idealistischen Wasserschürfer James Holdon mitsamt Crew und Chrisjen Avasarala, einem politischen Schwergewicht der UNO, die hinter den Kulissen die Geschicke der Erdenpolitik beeinflusst. In der zweiten Staffel stößt mit Bobbie Draper noch eine Elite-Kämpferin der Marsianer Marines und mit Prax Meng ein Botaniker einer Farmstation auf Ganymed mit dazu. Während Miller unter der Hand den Auftrag übernimmt, Julie Mao – die aktivistische Tochter eines einflussreichen Großindustriellen – ausfindig zu machen, scheint eine unbekannte Partei einen Konflikt zwischen Erde und Mars anstacheln zu wollen. Dabei geraten Holden, Prax und Bobbie zwischen die Fronten, während Christjen mit allen Mitteln versucht den Konflikt zu entschärfen. In dem Szenario eines aufziehenden Krieges, in dem es unvermeidbar scheint eine Seite wählen zu müssen, wird den Zuschauern nach und nach eine weitreichende Verschwörung offenbart, in dessen Zentrum das Protomolekül steht, eine außerirdische Substanz, die unbegrenzte Möglichkeiten und Gefahren birgt.

Die Ausgangslage in der zweiten Staffel

Originaltitel The Expanse
Jahr seit 2015
Episoden 23 (2 Staffeln)
Genre Science-Fiction, Thriller, Mystery
Cast Jim Holden: Steven Strait
Joe Miller: Thomas Jane
Chrisjen Avasarala: Shohreh Aghdashloo
Alex Kamal: Cas Anvar
Naomi Nagata: Dominique Tipper
Amos Burton: Wes Chatham
Sadavir Errinwright: Shawn Doyle
Frederick Lucius Johnson: Chad L. Coleman
Roberta ‚Bobbie‘ W. Draper: Frankie Adams
Cotyar: Nick E. Tarabay
Nach ihrer dramatischen Flucht von Eros müssen Holden und Miller erst einmal eine Reihe medizinischer Behandlungen über sich ergehen lassen, um die Strahlung, der sie bei dem gigantischen Experiment auf dem Asteroiden ausgesetzt waren, zu überleben. Ihre nächsten Schritte scheinen klar zu sein: Die Verschwörer hinter dem Massenmord auf Eros aufspüren, ihnen das Handwerk legen und eine vom Molekül ausgehende Epidemie verhindern. Dafür schließen sie sich mit Fred Johnson und den unter ihm vereinigenden Belter-Fraktionen zusammen, auch wenn die Macht des Protomoleküls für alle Beteiligten vielleicht eine zu große Verlockung darstellt. Weiterhin stehen sie vor dem Problem, was man wegen der nun unter Quarantäne gestellten Eros Station, auf der das Protomolekül mittlerweile unter besten Bedingungen wächst und gedeiht, unternehmen kann und soll.
Crisjen entgeht unterdessen nur knapp einem Mordanschlag und spielt weiter ihre Rolle als ahnungslose Schachfigur, während sie insgeheim versucht, die Oberhand über ihren, in die Verschwörung verwickelten, Kollegen Sadavir Errinwright zu gewinnen. Damit das gelingt, sichert sie sich die Dienste des Ex-Spions Cotyar, der sie bis dahin natürlich auch noch am Leben halten soll.
Auf dem Mars trainiert Bobby Draper mit ihrer Einheit derweil für den unausweichlichen Krieg und der von ihr sehnlichst herbeigewünschten Invasion der Erde. Mit einem Posten auf dem neutralen Jupitermond Ganymed scheint dies aber erst einmal in weite Ferne zu rücken, doch erfüllt sich ihr Wunsch als eine Erdeneinheit mit feuernden Waffen auf sie und ihre Leute zu rennt. Die Erden-Soldaten werden aber eher von irgendetwas verfolgt und komplettes Chaos bricht aus, als in der Umlaufbahn ein Feuergefecht zwischen Erden- und Marsschiffen ausbricht. Schwer beschädigt wird dabei auch die Farmkolonie von Botaniker Prax Meng (Terry Chen), der – als er auf einem Flüchtlingsschiff wieder zu sich kommt – mit der Offenbarung zurechtkommen muss, dass dem Chaos wohl auch seine kranke Tochter Mei zum Opfer gefallen ist, während sich die Großmächte gegenseitig die Schuld für den Vorfall zuschieben.

 

Vom Buch zur Serie

The Expanse basiert auf der laufenden und gleichnamigen Expanse-Romanserie, die unter dem Pseudonym James S. A. Corey von Daniel Abraham und Ty Franck verfasst wird und inzwischen sechs Bände umfasst. Diese sind auch auf deutsch erhältlich, womit sich also die Wartezeit auf weitere Staffeln notfalls verkürzen lässt. Die ersten beiden Staffeln decken größtenteils die Ereignisse der ersten beiden Bücher Leviathan Erwacht und Calibans Krieg ab. Es wird sich recht nah an die Vorlage gehalten, lediglich die Reihenfolge von Ereignissen wurde abgeändert und ein etwas ernsterer Grundton eingeschlagen. Das Material wurde in der Serie in hervorragender Qualität umgesetzt und bewegt sich mit tollen Sets, Special Effects und einem überzeugenden Cast aus erfahrenen Schauspielern und unbekannten Talenten auf einem ähnlich hohen Niveau wie vergleichsweise Battlestar Galictica (2004). Politische Intrigen und Verschwörungen sorgen genauso für Spannung wie gute alte Action in Form von Kämpfen, Schusswechseln, Weltraumschlachten und Katastrophenszenen. Zusätzliche Spannung entsteht weiterhin auch durch problematische Verhältnisse zwischen den Figuren, in denen kollidierende Charaktereigenschaften, Ideale und politische Ansichten jederzeit zu Verrat und Zweckbündnissen führen können.

Die Besetzung

Der bekannteste Name ist wahrscheinlich Thomas Jayne (Der Nebel) als Miller, der mit einer guten Mischung aus coolen und bemitleidenswerten Momenten sowie lapidaren Sprüchen und einer ausartenden Obsession zwar anfangs das Interesse der Zuschauer weckt, aber die Serie bei weitem nicht alleine trägt, denn mit einer anwachsenden Menge an Erzählsträngen muss Talent im Cast weit gefächert werden. Unter etablierten Serien-Schauspielern wie Shawn Doyle (House of Cards), Chad L. Coleman (The Wire) oder Nick E. Tarabay (Spartacus) sticht besonders Emmy-Gewinnerin Shohreh Aghdashlooals (24) als Chrisjen mit ihrer Freude am politischen Spiel und ihrem durch wohlplatzierte Verbalausfälle aufgelockerten Pragmatismus hervor. Auch darf man sich auf Gastauftritte von Jared Harris (Sherlock Holmes – Spiel im Schatten) als Belter-Aktivist/Terrorist/Crime-Lord Anderson Dawes freuen, einen charismatischen und vielseitigsten Darsteller der besonders als Bösewicht überzeugt. Diesen bekannten Namen steht die Crew der Rocinante gegenüber, denen die Handlung meistens folgt, hervorragend gespielt von Steven Strait, Dominique Tipper, Cas Anvar und Wes Chatham, wobei besonders letzterer als gefühlskalter und schnell gewaltbereiter Amos immer eine gefährlich beunruhigende Seite in die Gruppendynamik miteinbringt.

An guter Weltraum-Sci-Fi mangelt es zwar mit Dark Matter und Killjoys in der laufenden Serienlandschaft nicht, doch während diese Titel sich auf einer (ebenfalls unterhaltsamen) eher (im positiven Sinn; besonders Dark Matter liebe ich einfach, aber… na ja genug um den Begriff herumgetanzt) trashigen (Sorry) Seite der Science-Fiction bewegen, überzeugt The Expanse mit einer verzwickten Handlung und gut psychologisierten Figuren auch als Drama-Titel auf einem sehr hohen Niveau. Abgesehen davon, dass es einfach eine extrem gut gemachte Science-Fiction-Serie ist, mag ich an The Expanse, dass in einem gewissen Maß durchaus auf scheinbaren Realismus geachtet wird. So werden sprachlich neu entstandene Dialekte eingeführt oder mit Schwerelosigkeit, Kolonisation und extremen Beschleunigungen verbundene Schwierigkeiten und Phänomene durchaus anerkannt, ohne sich mit nebulösen Antischwerkraftfeldern oder Warpblasen herauszumogeln. Diesem Realismus steht dann allerdings wieder das Protomolekül gegenüber, das eben diese beachteten Naturgesetze gruselig ad absurdum führt und mit seinen daraus wachsenden Wundern und Schrecken den Zuschauern die Kinnlade wie ein Burgtor herunterrasseln lässt. Als wäre es nicht schon verrückt genug mit einem Generationenschiff einen Asteroiden abzuschießen … Ich glaube, ich saß selten mit so einer derart herrlichen Fassungslosigkeit vor dem Bildschirm, wie in dem Moment als klar wurde, dass Eros gegen jede Möglichkeit dem Geschoß ausgewichen ist und selbstständig Kurs auf die Erde genommen hat. Eine derartige Anspannung, wie sie bei der anschließenden Jagd und den Versuchen entstanden ist, den Asteroiden aufzuhalten, habe ich für mich in einer Serie oder einem Film selten erlebt.

Eine dritte Staffel ist bereits in Arbeit und darf wohl als Erstausstrahlung Anfang 2018 erwartet werden, genug Material für viele weitere ist auch vorhanden. Für Science-Fiction-Fans ist der Titel eh Pflicht, aber auch Serien-Freunde insgesamt sollten The Expanse vielleicht mal eine Chance geben. Es ist fast wie Game of Thrones, nur im Weltall und ohne Vergewaltigungen.

Zweite Meinung:

The Expanse habe ich beim Stöbern letztes Jahr auf Netflix gefunden und die erste Staffel an einem Wochenende weggeschaut. Selten hat mich eine Serie so schnell gepackt wie diese hier. Nach dem Schauen war ich dann doch angefixt und habe mir auch relativ schnell die Hörbücher geholt. Zwischen den Büchern und der Serie gibt es erzählerisch einige Unterschiede, die mich doch erst mal überrascht haben, dies aber nicht unbedingt negativ. Das komplette erste Buch wird im Grunde nur aus der Sicht von Holden und Miller erzählt und man bekommt nichts mit, was auf der Erde abgeht. Die Serie schlägt da einen Bogen und involviert mehr Charaktere direkt von Anfang an, was die ganze Welt diverser aussehen lässt. Und man ist nicht durchgehend auf irgendwelchen grauen Stationen oder auf Schiffen, die sehr steril rüberkommen. Was im Buch wunderbar funktioniert, hätte wohl der Serie nicht gutgetan, daher bin ich sehr froh, dass die Erzählweise angepasst wurde.
So kriegt man wenigsten schon in den ersten Folgen die Figur der Chrisjen Avasarala mit, die im Buch und in der Serie zu meinen Favoriten zählt. Atmosphärisch hat die Serie ebenfalls einiges zu bieten. Sie schafft es, den Weltraum gefährlich aussehen zu lassen. Sobald die Charaktere sich mal aus dem Schiff bewegen und in der endlosen Leere des Weltraum schweben, kommt einem schon die Gänsehaut. Die Bedrohung ist da und man merkt richtig, dass die Menschheit technologisch fortgeschritten ist, aber dennoch der Respekt vor dem luftleeren Raum immer noch da ist. Die Interaktionen zwischen den verschiedensten Charakteren sind ebenfalls ein Aspekt der Serie, der mir sehr gefällt. Man nehme nur mal die Einstellung von Holden und Miller, die unterschiedlicher fast nicht sein könnten, sie aber dennoch dasselbe Ziel verfolgen und somit zum Zusammenarbeiten gezwungen werden. Die Crew der Rocinante ist auf jeden Fall ein bunt gemischter Haufen, die nur durch Zufall in diese Lage gekommen ist und sich nun damit abfinden muss, ob sie nun wollen oder nicht… Ich bin derzeit noch dabei, die zweite Staffel zu schauen und gespannt, wie einige der Figuren, die ich schon aus den Büchern kennen, nun eingebaut werden und die Geschichte weitererzählt wird. Durch die andere Erzählweise hat man auch als Kenner der Bücher seinen Spaß mit der Serie!

Dritte Meinung:

Als jemand, der Science Fiction schon immer etwas abgewinnen konnte, war ich natürlich interessiert, als mir die Serie von Netflix vorgeschlagen wurde. Ich erwartete nichts Großartiges, eher gutes Mittelmaß, doch die Serie konnte mich schon von Beginn an fesseln. Die verschiedenen Handlungsebenen regen sicherlich Vergleiche zu Game of Thrones an und auch die Art und Weise, wie manche Charaktere nur eingeführt werden, damit man später etwas empfindetm wenn sie sich (oft gewaltsam) aus der Serie verabschieden. Doch die Vergleiche enden für mich auch da. Großartig finde ich die Serie trotzdem, auch weil sie es schafft, den wissenschaftlichen Fortschritt und die Ausbreitung der Menschen im All logisch aufzuzeigen. Dazu gehören die Gürtler, Menschen die am Rande des Systems auf Raumstationen leben und nach einigen Generationen körperliche Veränderungen wegen der geringeren Schwerkraft ertragen müssen. Der Außenseiterstatus der Gürtler wird durch einen der Protagonisten, Miller, auch gut gezeigt und durch Holden und die Geschehnisse auf der Erde nur noch verstärkt. Und selbst innerhalb der drei großen Fraktionen: Erde, Mars und dem Gürtel, gibt es noch weitere Fraktionen, die alle ganz eigene Ziele verfolgen. Über die Dauer der ersten beiden Staffeln werden auch einige der Machenschaften ans Licht gebracht und ich konnte immer wieder nur staunen wie gut sich dabei Plot, aber auch Charaktere entwickeln. Mit The Expanse bekommt man eine der, in meinen Augen, besten SciFi-Serien der letzten Jahre serviert. Interessante Charaktere, Intrigen und ein Hauch Fantastik laden den Zuschauer in ein Universum ein, das seinesgleichen sucht. Ich kann die dritte Staffel schon jetzt kaum erwarten.

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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