The Legend of Zelda – Ocarina of Time

Mit weltweit 7,6 Millionen verkauften Spielen ist The Legend of Zelda – Ocarina of Time noch heute das kommerziell erfolgreichste Produkt aus dem Zelda-Universum. Nebenbei setzte das Spiel weit über das Medium Nintendo 64 hinaus neue Maßstäbe. Dies liegt sicher zu einem großen Teil an der damals neuen 3D-Grafik des Spiels und den damit einhergehenden neuen technischen Möglichkeiten, welche von den Entwicklern ausgiebig genutzt wurden. Jedoch dürfte auch der Kniff, Link in zwei Zeitebenen agieren zu lassen und so dem Spieler zu ermöglichen, Link sowohl als Kind als auch als Erwachsenen zu spielen, nicht unerheblich zum Erfolg des Spiels beigetragen haben. So ist der Feenjunge zu einem festen Bestandteil der globalen Popkultur aufgestiegen. Mit The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D erschien 2011 eine überarbeitete Neuauflage des Originalspiels auf der Handheld-Konsole Nintendo 3DS. Im Gegensatz zu den anderen Neuauflagen wurden für diese Version einige Veränderungen am Spiel vorgenommen. Beispielsweise gestalteten die Entwickler die Grafik komplett neu und passten die Steuerung an das Konzept des Nintendo 3DS an. Was macht eigentlich die Faszination des Spiels aus? Warum hat Spiel nach so vielen Jahren immer noch so viele Fans, die nostalgisch auf Ocarina of Time zurückblicken?

    

Als Einkleidung wählen die Entwickler eine klassische „Gut gegen Böse“-Story. Link ist ein kleiner Junge, der im Wald bei den Kokiri, einem Waldvolk, das sein Leben lang das Aussehen von Kindern behält, aufwächst. Als er eines Tages die Bekanntschaft mit der Fee Navi macht und zum Deku-Baum gerufen wird, ändert sich sein Leben dramatisch. Es beginnt eine Reise durch die Welt von Hyrule, die Link nicht nur die Bekanntschaft mit den unterschiedlichen Völkern dieser mystischen Welt verschafft, sondern ihn auch zu Prinzessin Zelda führt. Mit ihr zusammen muss Link versuchen, den finsteren Ganondorf, welcher sich das Vertrauen von Zeldas Vater erschlichen hat und diabolische Pläne schmiedet, in die Schranken zu weisen. Dafür muss Link jedoch nicht nur jede Menge gefährlicher Abenteuer bestehen. Vielmehr führt ihn seine Reise sogar durch die Zeit. Mit schlimmen Folgen für Hyrule und dessen Bewohner. Daher ist Link gefragt, die braven Bewohner von Hyrule zu retten und Ganondorf mit Hilfe von sieben Weisen, von denen einige gute alte Bekannte von Link sind, das Handwerk zu legen. Hierfür muss Link jedoch zunächst die Weisen aus Ganondorfs Fängen befreien.

Schöne neue Welt

Anno 1998 steckte die 3D-Grafik bei Videospielen noch in den Kinderschuhen. Folglich entwickelte Ocarina of Time bereits durch die für damalige Verhältnisse atemberaubend gestaltete Spielwelt einen unheimlichen Sog, dem man sich kaum entziehen konnte. Setzt man das Spiel mit den visuellen Möglichkeiten heutiger Spiele in Vergleich, zieht es selbstverständlich den Kürzeren. Vergleicht man es mit anderen N64-Spielen, die im gleichen Zeitraum erschienen sind, wird jedoch klar, weshalb das Spiel eingeschlagen ist wie eine Bombe. So kann man Ocarina of Time auch heute nach 20 Jahren noch gut spielen, ohne dass man von einer zu verpixelten Grafik genervt würde. Neben der Grafik an sich und der ideenreich gestalteten Spielwelt sind auch die liebevoll gestalteten Völker Hyrules und all die unterschiedlichen Figuren, mit ihren kleinen und größeren Problemchen, denen Link auf seiner Reise begegnet, ein wichtiger Faktor zum Gelingen des Spiels. So gibt es immer wieder Momente, bei denen man als Spieler ins Schmunzeln kommt. Beispielsweise bei dem tanzenden Goronen Darunia oder bei der kleinen, eingebildeten Prinzessin Ruto, die in Link verschossen ist. Der humoristische Höhepunkt des Spiels sind aber sicherlich die beiden schrulligen Hexenzwillinge, die sich, nachdem sie von Link besiegt wurden, zankend ins Jenseits verabschieden.

Dass dabei die Handlung mit ihrem klar vorgezeichneten Gut-Böse-Schema nicht allzu viele Innovationen bereithält, stört bei all dem wenig. Dafür gibt es einfach viel zu viel zu entdecken und mit der epischen Story wird die fantastische Welt von Hyrule schön untermalt. Die Krönung bildet hierbei der einzigartige und unvergessliche Soundtrack von Kōji Kondō (Super Mario). Ocarina of Time ohne seine kultige musikalische Untermalung und ohne die großartigen Lieder, die Link im Laufe des Spiels lernt, ist einfach nicht vorstellbar.

Kämpfe und Rätsel

Originaltitel Zeruda no Densetsu: Toki no Okarina
Jahr 1998, 2011
Plattform Nintendo 64, Nintendo 3DS
Entwickler Nintendo
Publisher Nintendo
Genre Action-Adventure, Fantasy
Spieler 1
USK

Das A und O eines guten Videospiels ist der Sog, den es entwickeln muss. Der Spieler muss stets mit neuen, unerwarteten Aufgaben und Eindrücken konfrontiert werden, damit sich keine Routine – die gefürchtete Vorstufe zur Langeweile, welche meist den Anfang vom Abbruch eines Spiels markiert – einstellt. Dieses Problem wird in allen Zelda-Spielen durch zwei tragende Säulen gelöst, auf denen das ganze Spielsystem ruht. Zum einen wird der Spieler mit einer Vielzahl unterschiedlicher Gegner konfrontiert. Zum anderen müssen aber auch zahlreiche Rätsel gelöst werden. Diese Kombination sorgt für viel Abwechslung im Spielgeschehen. Dazu setzen die Entwickler auf ein Tempel-System, bei dem Link sich durch zahlreiche kleinere und größere Dungeons arbeiten muss. Die Tempel sind mit ihren Gegnern, Rätseln sowie dem Setting sehr unterschiedlich gestaltet, so dass es ständig neue Dinge zu entdecken gibt und dadurch das Spielgeschehen nie langweilig wird. Außerdem muss man als Spieler, um die Tempel meistern zu können, bisweilen auch zurück in der Zeit reisen und sowohl als kleiner als auch als großer Link Aufgaben lösen. Dieses Zeitreiseelement gibt dem Spiel einen zusätzlichen Reiz. Zumal auch der Kontrast zwischen beiden Zeitebenen ziemlich krass ist. Während die Welt, die man als junger Link bespielt, weitgehend ruhig und friedlich wirkt, ist die Welt des erwachsenen Links oftmals düster und bedrohlich. Die Harmonie und Fröhlichkeit wurden durch Ganondorfs Machtergreifung eingetrübt und kann erst nach und nach von Link wiederhergestellt werden, indem er Ganondorfs Monster zur Strecke bringt.  Bei all dem wird vom Spieler aber bisweilen auch ein bisschen Geduld abverlangt. So muss man bei manchen Gegnern und Rätseln eine Weile herumprobieren, bis man die richtigen Lösungen und Strategien gefunden hat. Bezeichnend hierfür sind etwa die sich regenerierenden Skelette im Waldtempel, wenn man sie nicht innerhalb einer bestimmten Zeit besiegt hat, sowie das Absenken und Steigenlassen des Wasserspiegels im Wassertempel, was bisweilen ziemlich viel Laufarbeit erfordert.

Abwechslung auf Nebenschauplätzen

Allerdings wird auch in Ocarina of Time der eine oder anderen Moment kommen, in dem man als Spieler bei einem Tempel nicht mehr weiterkommt. Für diesen Fall hält das Spiel jedoch jede Menge kleiner Nebenaufgaben und Spiele bereit, mit denen man sich ein bisschen ablenken kann. Oft gibt es dabei auch ganz nützliche Schätze abzuräumen. Am zeitaufwendigsten ist sicherlich die Skulltula-Jagd (Respekt vor jedem, der die hundert Spinnen ganz ohne fremde Hilfe findet). Aber es ist auch immer wieder ein nettes Erfolgserlebnis, wenn man irgendwo zum x-ten Mal vorbeiläuft und dann ganz zufällig aus den Augenwinkeln eine Spinne entdeckt. Auch wenn es mitunter nervig sein kann, das Spinnengeräusch laut und deutlich zu hören, aber die dazugehörige Spinne, trotz intensiver Suche, nicht zu finden. Die aber wohl spannendste Nebenquest ist die Gerudo-Trainingsarena. Hier gibt es noch einmal eine ganze Reihe kniffliger Rätsel zu lösen, um den Eispfeil zu erhalten.

Die Spiele, die man insbesondere in den Städten und Dörfern spielen kann, fördern auch ganz nützliche Preise zu Tage. Vor allem ein Bogen-Upgrade sollte man sich entweder beim Schießstand oder in der Gerudo-Festung beim Reiten holen.  Im Gegensatz zu den Spielen in The Legend of Zelda – Majora’s Mask sind hier die meisten auch gut machbar.

Spannende Bossgegner – Ausrüstungsgegenstände ohne Verwendungszweck

Mit den Monstern, die man als Link im Laufe des Spiels bekämpfen muss, haben sich die Entwickler sehr große Mühe gegeben, indem sie ein breites Portfolio an Gegnern erschaffen haben. So machen die Kämpfe bis zuletzt Spaß. Auch die Bossgegner sind sehr abwechslungsreich in grafischer Gestaltung und Kampfeigenschaften und steigern sich im Verlauf des Spiels von ihrem Schwierigkeitsgrad her in einem angemessenen Maß. Zumindest bis zum Wächter des Schattentempels, der mich bei jedem Durchlauf aufs Neue einiges an Nerven und Feen kostet. Liegt aber vielleicht auch daran, dass man nicht vergessen sollte, die Schuhe zu wechseln, je nachdem in welcher Kampfphase man sich befindet. Das Highlight in Sachen Bossgegner sind auf jeden Fall die beiden zankenden Hexen.  Beim Endkampf gegen Ganondorf haben sich die Entwickler noch einmal etwas Nettes ausgedacht.  So muss man, bevor man zu Ganondorf vordringen kann, zunächst sechs kleine Dungeons (eines für jeden Weisen) durchspielen. Damit wird das Spiel quasi am Ende noch einmal kurz zusammengefasst, indem noch einmal Elemente aus den verschiedenen Tempeln eingebaut werden. Der Kampf am Ende gegen Ganondorf ist ein gelungener Abschluss, indem er in mehrere Abschnitte unterteilt wird, in denen man auf unterschiedliche Weise gegen Ganondorf kämpfen muss, wobei man keine Hilfestellung von Navi mehr erhält.

Die Ausrüstungsgegenstände sind auch sehr liebevoll entworfen und verlangen zusätzlich einiges an Kombinationsgabe, um die vielen Rätsel im Spiel mit ihrer Hilfe zu lösen. Den größten Kultfaktor hat dabei natürlich Links Okarina, deren Einsatz immer wieder gefragt ist. Besonders gelungen sind auch die verschiedenen Schilde, Schuhe und Rüstungen, die je nach Situation schnell gewechselt werden müssen. Leider sind aber nicht alle Gegenstände so gut ins Spiel integriert. So ist es beispielsweise eine ganz nette Schnitzeljagd, bis man das unzerbrechliche Langschwert bekommen hat, aber dann ist es doch ein bisschen schade, dass die neue Klinge nur optional ist, also im weiteren Spielverlauf nicht zwingend benötigt wird. Immerhin kann man sie noch im finalen Kampf gegen Ganondorf einsetzen, wenn man kurzzeitig das Masterschwert aus der Hand verliert. Alternativ kann jedoch auch der Hammer zu Hilfe genommen werden.  Noch überflüssiger erscheinen die Eispfeile, die man überhaupt nicht braucht. Aber zum Glück bleibt dies der einzige kleine Wehrmutstropfen. Dafür macht das Reiten auf Links Pferd Epona sehr viel Spaß und spart zudem einiges an Reisezeit.

Auch nach fast zwei Jahrzehnten gehört Ocarina of Time immer noch zu meinen Lieblingsspielen. Noch heute werfe ich die N64-Konsole ab und zu mal an, um den nostalgischen Flair des Spiels noch einmal aufzusaugen und die vielen schönen Erinnerungen, die ich mit dem Spiel verknüpfe, wieder wachzurufen. Daher hat das Spiel meines Erachtens auch zu Recht eine so große Anzahl an Topbewertungen eingesammelt. Nicht zuletzt der Umstand, dass man aufgrund der Zeitreise sowohl mit dem kleinen als auch mit dem erwachsenen Link spielen kann, sorgt dafür, dass mir das Spiel noch ein bisschen besser gefällt als sein Nachfolger Majora’s Mask. Auch die unkomplizierte Steuerung ist für mich als jemand, der schon immer eher sporadisch Videospiele gespielt hat und sich vor allem von komplizierten Steuerungen schnell entnerven lässt, ein ganz großes Plus. Alles in allem ist Ocarina of Time für mich ein rundum gelungenes Spiel, das völlig zu Recht das Prädikat des zeitlosen Klassikers trägt.

Zweite Meinung:

Meine ersten Gehversuche mit The Legend of Zelda habe ich mit Ocarina of Time gemacht, eine Serie, der ich seitdem auf allen stationären Konsolen treu geblieben bin. Üblicherweise wird die Nostalgiebrille mit voranschreitenden Jahren immer rosaroter – ich habe jedoch ganz im Gegenteil das Gefühl, dass meine Erinnerungen an Ocarina of Time nicht mehr so beeindruckend sind, wie ich sie damals erlebt habe. Das ist, ironischerweise, nicht zuletzt dem großen Erfolg des Spielkonzepts geschuldet: All jene Aspekte, die man in Ocarina of Time zum ersten Mal in einem Action-Adventure zu sehen bekam, sind inzwischen zu einem so etablierten Bestandteil des Genres geworden, dass ich ihnen regelrecht überdrüssig bin. Das kann und darf die Leistung dieses Vorreiters aber nicht schmälern. Ocarina of Time ist ein Meisterwerk seiner Zeit und wird auch nach unserem Sprung in die Zukunft weiterhin als Klassiker in Erinnerung bleiben.

Dritte Meinung:

The Legend of Zelda: Ocarina of Time zählt zu den absoluten Meilensteinen der Videospielgeschichte. Ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie ich Weihnachten ’98 nach Hyrule abtauchte und für Tage für niemanden erreichbar war. Die 3D-Möglichkeiten ermöglichten eine völlig neue, bis dato unbekannte Immersion und die Weite der Spielwelt hinterließen mächtig Eindruck. Diese Faszination wurde durch das Zeitreise-Element verstärkt, welches dem Spiel damals das Stigma des Heiligen Grals verlieh. Doch selbst unter heutigen Gesichtspunkten ist Ocarina of Time immer noch ein Klassiker. Die kantigen Grafiken mögen zwar in die Jahre gekommen sein, doch das Storytelling überzeugt auch heute. Wer wie ich geschädigt vom Wassertempel ist, wird seitdem auch einen anderen Blickwinkel auf Dungeons haben. Einen besonderen Eindruck haben die Nebenfiguren hinterlassen, deren Bedeutung erst im Spielverlauf enthüllt wird. Heute sieht ein geschultes Auge natürlich sofort, was es mit Shiek  auf sich hat. Zwei weitere Merkmale, die wohl jeder mit dem Spiel in Verbindung bringt: Die dauernervende Navi, die man am liebsten mit Epona übertrampelt hätte und der Ehrgeiz, alle 100 Skulltulas einzusammeln.

 

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Atticus

Atticus ist Jura-Student. Er verbringt seine Freizeit am liebsten zusammen mit Freunden oder draußen in der Natur. Darüber hinaus ist Atticus ein großer Filmfan, jedoch nicht allzu wählerisch, so dass es kaum ein Genre gibt, dem er nicht zugeneigt wäre. Auch macht es ihm nichts aus, wenn ein Film ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Außerdem liest Atticus gerne Romane. Wenn möglich Krimis, Thriller, Horror- oder Abenteuerliteratur. Aber zwischendurch darf es auch gerne einmal etwas ausgefalleneres sein.

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