The Royal Tutor

Neben den großen Namen der Frühlingsseason 2017 wie Attack on Titan oder My Hero Academia geht der Comedy-Titel The Royal Tutor eher unter. Trotzdem ist die Serie einen Blick wert, vor allem für Freunde von Situationskomik und hübschen Bishounen.

 

Die jüngeren vier Prinzen von Glanzreich staunen nicht schlecht, als ihnen ihr neuer Lehrer präsentiert wird. Bisher haben sie noch jeden Lehrer innerhalb kürzester Zeit vertrieben, doch Heine Wittgenstein wirkt auf den ersten Blick nicht nur wie ein Kind, weil er kleinwüchsig ist, er zeigt sich auch hartnäckig und nimmt sich der vier Prinzen und ihrer Probleme an. Nach einigen Startschwierigkeiten lernen die ihn als ihren Lehrer und Mentor zu schätzen und wollen ihn gar nicht wieder hergeben. Glücklicherweise hat man sich für eine eher tiefe Stimme für den kleinen Professor entschieden. Damit wirkt er sehr viel reifer und so nehme ich ihm den erfahrenen Lehrer auch sehr viel mehr ab, als wenn er eine zur Größe passende höhere oder gar feminin klingende Stimme bekommen hätte.

Originaltitel Oushitsu Kyoushi Heine
Jahr 2017
Episoden) 12 (1 Staffel)
Genre Comedy
Regisseur Katsuya Kikuchi
Studio Bridge

Die vier Prinzen
Der schweigsame Kai wirkt auf die meisten Menschen finster und bedrohlich. Doch in Wahrheit ist er sehr unsicher im Umgang mit Menschen und schon ein einfaches „Danke“ bereitet ihm große Schwierigkeiten. Bruno vertieft sich am liebsten in seine Bücher und gibt immer 200%. Leonhard ist ein Meister darin, seinen Lehrern und damit dem Unterricht zu entgehen, indem er einfach die Flucht ergreift. Eine Folge davon ist aber, dass ihm einfachste Rechnungen schwer fallen – es sei denn, er stellt sich die Zahlen in Form seiner geliebten Sachertorten vor. Licht lebt einfach in den Tag hinein, mischt sich aber auch gern unters Volk. Jeder der vier kommt zur Geltung und man erfährt auch sehr viel über ihre Vorgeschichte.

Verschiedener könnten Heines vier Schüler wohl nicht sein und jeder bringt seine eigenen Probleme und Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen mit sich. Heine gibt jedem der vier die gleiche Aufmerksamkeit und unter seiner Aufsicht lernen sie nicht nur den nötigen Unterrichtsstoff, sondern auch Zwischenmenschliches, das sie generell im Leben weiterbringt. Dabei bringen die vier Prinzen Heine in die eine oder andere skurrile Situation, zum Beispiel eine Verfolgungsjagd zu Pferde durch die scheinbar endlosen Weiten der Palastgärten, weil Leonhard partout keinen Unterricht machen will oder wenn die Prinzen eine große Aufräumaktion starten und dabei alles nur noch unordentlicher machen. Es ist einfach goldig, diesen vier und ihrem Lehrer zuzusehen.

Friede, Freude, Eierkuchen?
Die Brüder merken rasch, was sie an Heine haben. Sie verbringen gern Zeit mit ihrem neuen Lehrer und lernen von ihm. Doch nicht jeder bei Hof freut sich über diese Entwicklung. Rosenberg, ein Untergebener des erstgeborenen Prinzen Eins, beobachtet Heines wachsenden positiven Einfluss mit Missfallen. Er will nicht, dass die Brüder seines Herrn sich zu guten Prinzen entwickeln und damit zu Konkurrenten von Eins werden. So ganz klar wird aber nicht, warum es eine Bedrohung für Eins ist, wenn seine Brüder sich verbessern. Denn die Erbfolge von Glanzreich scheint ziemlich fest, das heißt, Kai, Bruno, Leonhard oder Licht hätten nur eine Chance auf den Thron, wenn Eins etwas zustößt. Trotzdem wird immer wieder thematisiert, wie die vier sich als Könige schlagen oder was sie als solche tun würden. Dazu passt dann wieder Rosenbergs Verhalten. Er geht sogar so weit, dass er versucht, Heine vom Hof zu vertreiben, indem er subtil Gerüchte über Heines Vergangenheit streut. Denn Heine hat eine nicht ganz weiße Weste. Doch niemand hat wohl damit gerechnet, wie sehr die vier Prinzen um ihren Lehrer und Mentor kämpfen würden.

Comedy ist immer so eine Sache bei mir. Doch diese Serie hat es geschafft, mich zu überzeugen. Heine und seine vier Schüler sind einfach zu goldig und es macht Spaß, ihnen zuzuschauen. Ob sich die Prinzen wieder in eine skurrile Situation manövrieren oder ihre Macken oder auch Heines Kleinwüchsigkeit aufs Korn genommen werden, ich hatte viel zu Lachen. Die Serie nimmt sich neben den Gags aber auch immer Zeit für ihre Charaktere und beleuchtet diese, sodass klar wird, woher sie ihre Macken haben und warum sie so ticken. Hier wurde ein gutes Gleichgewicht zwischen Humor und Ernst gefunden. Schade, dass es nur 12 Folgen wurden, aber wenigstens kann ich mich nun auf den Manga freuen, der ab Oktober auch hier in Deutschland erscheinen wird.

Zweite Meinung:

Ich bin da eher zwiegespalten, was The Royal Tutor angeht und das liegt bei mir tatsächlich an der Hauptperson, die so wenig zu den stereotyp aufgebauten Prinzen passen möchte wie Spiegelei zu Milchreis. Heine ist ein ureigener Charakter, er erscheint als ein etwa zwölfjähriger Junge, besitzt aber einen Wissensumfang, der einfach unglaublich ist und den er sich auch noch selber angeeignet hat. Aha, klar, wie wahrscheinlich ist das? Die Prinzen dagegen sind natürlich bei allen Macken – zum Glück hat jeder von denen nur eine einzige Macke – herzensgute Menschen, die einfach nur etwas Verständnis und Liebe brauchen. Ja, klar, was auch sonst? Und ihr Vater, der König… Ja klar. Aber nachdem ich diese Grundlage einfach als gegeben akzeptiert und nicht weiter hinterfragt habe (nebenbei bemerkt mag ich Spiegelei zu Milchreis), fand ich diesen Anime dann doch einen ganz netten Zeitvertreib, was am Humor gelegen hat, der in dieser Geschichte um einen ungewöhnlichen Professor und seine adeligen Studenten eine tragende Rolle spielte. Da eignen sich Sachertorten für den Matheunterricht, ein Lehrer verfolgt seinen Schüler hoch zu Ross und das Familienoberhaupt scheint einen Schalter eingebaut zu haben, der ihn innerhalb von Sekundenbruchteilen von einem besonnenen Herrscher zu einem vernarrten Vater werden lässt und umgekehrt. Wer da nun im Hinblick auf die Hintergrundgeschichte gegen wen wieso intrigiert hat, das war mir ziemlich egal, dafür fand ich die Namensgebung mitunter ziemlich witzig. Prinz Eins, welchen Rang in der Thronfolge hat der wohl inne?

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Drottning Katt

Als Studentin der Linguistik hat Drottning Katt ein Faible für Sprachen aller Art – reale oder fiktive. Sie ist ein großer Fantasy-Fan und kann in diesem Bereich immer mit detaillierten Worldbuilding, einem durchdachten Magiesystem oder vielschichtigen Charas geködert werden. Dabei ist es nebensächlich, in welcher Form die Geschichte erzählt wird, Hauptsache interessant. Zudem gehören zu ihren Hobbies das Schreiben eigener Geschichten, zeichnen und an eigenen fiktiven Sprachen basteln.

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