The Vampire Diaries – Ausgesaugt

Acht Jahre lang konnte man als Zuschauer gespannt die emotionalen Höhen und Tiefen von Elena, Stefan und Damon verfolgen. Am 10. März 2017 flimmerte endgültig die letzte Folge der beliebten Vampirserie über die amerikanischen Bildschirme. Zeit für ein Résumé, um die vergangenen Jahre noch einmal Revue passieren zu lassen und einen Blick auf das Serienfinale zu werfen.

Achtung: Der folgende Artikel enthält Spoiler, da er sich auf die gesamte Serie sowie auch das Serienfinale bezieht.

Mit dem Ausstieg von Nina Dobrev (Elena Gilbert) zum Finale der sechsten Staffel schlägt die Serie einen etwas anderen Kurs ein. Der Fokus liegt nicht mehr auf Elena Gilbert und ihren verworrenen Beziehungen zu Damon und Stefan, sondern richtet sich vermehrt auch auf ihre Freundinnen Bonnie und Caroline sowie auf zuvor eingeführte Charaktere, wie Damons Vampirbuddy Enzo oder den einst tot geglaubten Alaric Saltzman. Insbesondere aber auf die brüderliche Beziehung zwischen Damon und Stefan.

Jahr 2009 – 2017
Episoden 171 (8 Staffeln)
Genre Mystery, Drama
Cast Elena Gilbert/Katherine Pierce: Nina Dobrev
Damon Salvatore: Ian Somerhalder
Stefan Salvatore: Paul Wesley
Caroline Forbes: Candice King
Bonnie Bennett: Katerina Graham
Matt Donovan: Zach Roerig
Tyler Lockwood: Michael Trevino
Alaric Saltzman: Matthew Davis
Jeremy Gilbert: Steven R. McQueen
Enzo: Michael Malarkey

Einerseits erfrischend, da der restliche Cast dem Zuschauer im Laufe der Zeit natürlich ans Herz wächst und das Drama um Elena zusehends nervtötender wird. Allerdings weiß Staffel 7 dennoch wenig zu überzeugen. Die Story wirkt deplatziert und plätschert so vor sich hin – trotz bahnbrechender Ereignisse. Es scheint wohl doch so, dass – trotz gegenteiliger Aussagen der Produzenten – Elena Gilbert das Herzstück der Serie ist und ohne sie die gewohnte Dynamik fehlt, bzw. die Autoren es schlicht nicht geschafft haben, das Drehbuch ohne Elena aufzuziehen.
Die noch vorhandenen Charaktere hätten durchaus alle das Potential gehabt, den Ausstieg von Dobrev abzufangen, doch zu sehr versteift man sich auf die unzertrennbare Liebe zwischen Damon und Stefan.

Wehret den Anfängen

Doch werfen wir einen Blick zurück in das Jahr 2009. Angefangen hat alles mit einer sehr jungen Elena Gilbert, die bevorzugt Tagebuch auf dem Friedhof von Mystic Falls schreibt. Sie und ihre besten Freundinnen Bonnie Bennett und Caroline Forbes geraten schnell in den Strudel der Geheimnisse um Stefan Salvatore – ebenfalls leidenschaftlicher Tagebuchschreiber – und seinen Bruder Damon, die in das Haus ihres verstorbenen (ergo getöteten) Onkels einziehen. Es dauert nicht lange, bis Elena sich in einer Beziehung mit dem netten Vampir von nebenan befindet.

Ein Happy End ist ab diesem Zeitpunkt lange nicht zu erwarten. Dazu machen ihnen der düstere Bruder Damon, der im Laufe der Serie immer mehr von seinem Bad-Boy-Image verliert, sowie immer wieder neu auftauchende Feinde das Leben viel zu schwer. So dreht sich zu Beginn noch alles um Elenas gleichermaßen bösartige, als auch charismatische Doppelgängerin Katherine Pierce, die ihrerzeit die Salvatore-Brüder um ihren Finger gewickelt und wortwörtlich an deren Hälsen gehangen hat. Besonders zu Anfang der Serie, gehört Dobrevs Doppelrolle zu den Highlights, da Katherine bis zuletzt eine der schillerndsten Figuren bleibt und es einige grandiose Momente mit ihr gibt; insbesondere wenn sie sich mal wieder als Elena ausgibt und die Salvatores gegeneinander ausspielt. Zu mehr Ruhm gelangt wohl nur noch die Familie Mikaelson. Nachdem sie in Mystic Falls ihr Unwesen getrieben hat, bekam sie 2013 ihren parallel laufenden Ableger The Originals, der im Frühjahr 2018 mit der fünften und letzten Staffel an den Start gehen wird. Angekündigt ist ein Wiedersehen mit Caroline. Alaric Saltzman war bereits zu sehen.

Wo sind denn all die Menschen hin?

Gefühlt gibt es in der Kleinstadt (in der einer schöner ist als der andere) bis zum Serienende nur noch übernatürliche Wesen. Fakt ist, dass der Hauptcast tatsächlich nur noch einen Menschen beinhaltet, der bis zum Schluss niemals ein Vampir, ein Untoter, eine Hexe, ein Häretiker oder ein Werwolf war. Matt Donovan hält eisern die Stellung, bleibt durchgehend die moralische Instanz und beschützt die Stadt schließlich als rechtschaffener Polizist. Problematisch ist hierbei sein unvereinbarer Hass auf Vampire und sein Freundeskreis, der hauptsächlich aus Vampiren besteht. Doch die Gefühlswelten des Matt Donovan interessieren den Zuschauer nur bedingt. Da hilft es auch nicht, wenn immer wieder betont wird, wie wichtig Matt für die Gemeinschaft ist. Generell agieren Menschen in der Serie zumeist als Nahrungsquelle und notwendige Statisten. Mit Matt wird die menschliche Alibifahne hochgehalten. Es wäre wohl unglaubwürdig, wenn jeder zu einem Vampir werden würde oder irgendwelche anderen nützlichen Eigenschaften vorzuweisen hätte. Viel interessanter sind jedoch all die anderen Ereignisse in dieser vom Übernatürlichen regierten Welt. So entdeckt Bonnie schon früh ihre Hexenkräfte, Caroline wird von Damon in einen Vampir verwandelt, Elena wird zu einem Vampir und verlebt wohl als emotionsloses Monster die Glanzmomente ihrer Rolle, Stefan zieht als Ripper durchs Land, Klaus Mikaelson und seine Urvampirbrut tauchen auf, Werwolfreibereien bedrohen die Stadt, Elenas Bruder wird Vampirjäger, Stefan und Damons totgeglaubte Mutter taucht auf und ist natürlich ein Vampir, Alaric stirbt und kehrt zurück, Caroline wird unfreiwillig die Leihmutter von Alarics Zwillingen.

Das Liebeskarussell dreht sich

Neben all diesen Kämpfen auf Leben und Tod, dem (meist nicht dauerhaften) Verlust einiger Hauptcharaktere, bleibt in Mystic Falls trotzdem immer noch Platz für eines: die Liebe.
Rückblickend könnte man fast fragen: Hatte da nicht jeder mit jedem mal etwas? Insbesondere das Liebesdreieck zwischen Elena, Stefan und Damon steht im Fokus der Serie. Zunächst scheint es völlig ausgeschlossen, dass Elena jemals mit einem anderen als Stefan in den Sonnenuntergang reiten könnte. Das Knistern zwischen Elena und Damon ist schon früh bemerkbar, aber als Zuschauer hätte man wohl nicht erwartet, dass daraus mehr werden würde als das Schaffen von Spannungsmomenten zwischen den Brüdern. Eine kurze Affäre und Elena würde zurück in Stefans Arme kehren. Doch die Liebe zwischen Elena und Damon wird besiegelt. Delena ist geboren. Und sind wir doch ehrlich: Sie sind auch das aufregendere Paar. Doch auch um das Trio herum, knistert es gewaltig. So befindet sich Bonnie anfangs mit Elenas Bruder Jeremy in einer Beziehung, später dann mit dem Vampir Enzo. Matt verguckt sich in Urvampirin Rebekkah. Caroline kommt wohl am meisten herum. Zuerst eine Liebelei mit Damon, dann eine scheinbare Traumbeziehung zu Tyler Lockwood (Vampir und Werwolf wohlgemerkt), ein Aufblitzen von Leidenschaft zwischen ihr und Klaus, eine Zweckgemeinschaft mit Alaric und schließlich das große Liebesglück mit Stefan. Genau diese Mischung aus Romanze und Drama macht The Vampire Diaries aus. Knallharte Vampiraction – trotz des ganzen Blutes – ist sicherlich nie Kern der Serie gewesen.

Ende gut, Alles gut?

Nach Staffel 7 dürften die Erwartungen für das Finale eher gering sein. So wird die achte Staffel auch in nur 16 Folgen ausgestrahlt, statt den gewohnten 22. Doch die finalen Folgen holen noch einmal alles aus der Serie heraus. Es wird gewaltig in der Nostalgiekiste gekramt, sodass man als langjähriger Zuschauer und Fan der Serie doch auf seine Kosten kommt. Die letzten Hindernisse werden auf dramatische Art und Weise aus dem Weg geräumt und sogar der Fluch um Elenas Tiefschlaf, aus dem sie erst erwachen würde, wenn Bonnie stirbt, wird gelöst.
Gerade die finale Folge hat es in sich. Jeder Charakter, den man in diesen acht Jahren kennen und lieben gelernt hat, bekommt noch einmal einen Auftritt spendiert und besänftigt damit das Fanherz, das unter dem Desaster der siebten Staffel zu leiden hatte. Besonderes Highlight ist, dass Nina Dobrev sich zum Abschluss doch noch einmal die Ehre gibt. Die Serie hätte ohne sie kein befriedigendes Ende erhalten. Erst die erneute Kombination aus Stefan, Elena und Damon macht den Abschluss zu einer runde Sache. Und die letzten Minuten strotzen nur so vor Kitsch. Stefan opfert sich, um Elena und Damon ihr Happy End in Form eines menschlichen Lebens zu ermöglichen. Ein Blick ins Jenseits, ein langes Leben später, zeigt uns dann aber Elena glücklich mit ihrer Familie vereint sowie Damons und Stefans Wiedersehen. Die Liebe der Salvatore-Familie ist eben doch unüberwindlich.

Nach so vielen Jahren ist es meist schwer, eine Serie gehen zu lassen. Allerdings war ich von der siebten Staffel sehr enttäuscht, sodass ich ein Ende schon fast herbeisehnte. Obwohl ich schon lange kein Fan mehr von Elena war und sie mir ziemlich auf die Nerven ging, musste ich dann trotz der anfänglichen Freude, dass sie nun endlich nicht mehr dabei wäre, doch feststellen, dass die Serie ohne sie nicht funktioniert. Ich fand es sehr schade, dass es nicht gelungen ist, den Bogen um die verbliebenen Charaktere so zu spannen, dass die Serie diesen einen Verlust locker verkraften hätte können. Dies gelingt in anderen Serien so viel besser, teilweise sogar mit mehreren Ausstiegen von Hauptdarstellern. So konnte mich dann letztlich das Spin-off The Originals viel mehr reizen und ich habe länger gebraucht, bis ich mir die achte Staffel dann angesehen habe. Allerdings wurde ich sehr positiv überrascht. Ich hatte befürchtet, dass sie das Finale ebenfalls in den Sand setzen würden. Es ist immer sehr schade, wenn eine langjährige Serie unbefriedigend endet. Doch bei TVD wurde das in meinen Augen wahnsinnig gut gelöst. Ein entscheidender Faktor war wahrscheinlich auch, dass Nina Dobrev noch einmal zurückkehrte. Ich saß die letzte Folge fast ausschließlich weinend vor dem Fernseher. Es wurde schon massiv auf die Tränendrüse gedrückt, aber genau das hat die Serie zum Abschluss gebraucht. Ein Happy End mit einem kleinen Wehmutstropfen, um es nicht zu übertrieben kitschig zu gestalten. Für mich ein perfekter Abschluss, der mich die siebte Staffel verzeihen lässt. Ich bleibe dann doch ein wenig wehmütig zurück, dass es jetzt vorbei ist. So muss das sein.

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Prinzessin Blaubeere

Prinzessin Blaubeere studiert aktuell noch Geschichte im Hauptfach, möchte aber nach ihrem Abschluss Polizistin werden und schwitzt deshalb seit Neuestem im Fitnesstudio, in das sie ihr Einhorn Kurt (Cobain), das sie sich schon lange vor dem großen Boom angeschafft hat, leider nicht mitnehmen darf. Sie liest überwiegend Fantasy und suchtet allerhand Filme und Serien mit den unterschiedlichsten Themen – Zombies und Rosamunde-Pilcher-Kitsch dabei am unbeliebtesten. Darüber hinaus schreibt sie gerade selbst an einem Fantasyroman, in dem natürlich auch ein Einhorn vorkommt.

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