Unbreakable Kimmy Schmidt – Staffel 3

Im nunmehr dritten Jahr schafft die von Tina Fey und Robert Carlock (beide 30 Rock) kreierte Netflix-Serie Unbreakable Kimmy Schmidt 2017 zum dritten Mal in Folge das Nominierungstripple bei den Emmys (Amerikas wichtigster Fernsehpreis) für ihre Hauptdarstellerin Ellie Kemper, Nebendarsteller Tituss Burgess und in der Kategorie als beste Comedy-Serie. Da Numerologie eine ernste Angelegenheit und die wiederkehrende 3 kein Zufall ist, ist es nur passend, dass man nochmal die dritte Staffel Revue passieren lässt, während man alle drei Daumen für die kommende Emmyverleihung warmdrückt.

 

Kimmy Schmidt (Kemper) ist eine Maulwurfsfrau, eine von vier Frauen, die nach fünfzehn Jahren Gefangenschaft in einem unterirdischen Bunker des Weltuntergangs-Pastors Richard Wayne Gary Wayne (Jon Hamm) von der Polizei gerettet wurde und neben der Freiheit nun auch eine eher zweifelhafte Berühmtheit genießen kann. Als es nach einem erniedrigenden Fernsehauftritt in New York an der Zeit ist, mit ihren ehemaligen Mitgefangenen in ihre Heimat Durnsville zurückzukehren, trifft Kimmy die Entscheidung, sich nicht mehr durch ihre Bunkergefangenschaft definieren zu lassen und in New York zu bleiben, um in der Anonymität der Großstadt einen Neuanfang zu starten. Ausgestattet mit einer großzügigen Geldspende, einem durch fünfzehn Jahren Bunkerleben gehärteten Willen (und Körper) und einem übermächtigen Optimismus findet Kimmy innerhalb kürzester Zeit eine Unterkunft bei Vermieterin Lillian Kaushtupper (Carol Kane) – Vollblut New Yorkerin und Klassenkämpferin gegen alles, was reich und modern ist –, Mitbewohner Titus Andromedon (Burgess) – demotivierter Broadwaystar in Warteschleife – sowie eine Anstellung als Kindermädchen bei der reichen Trophäenfrau Jacqueline Voorhees (Jane Krakowski).

Zur dritten Staffel (leichte Spoiler)

Jahr ab 2015
Episoden 39 (3 Staffeln)
Genre Comedy, Musical
Cast Kimmy Schmidt: Ellie Kemper
Titus Andromedon: Tituss Burgess
Lillian Kaushtupper: Carol Kane
Jacqueline White: Jane Krakowski
Cyndee Pokorny: Sara Chase
Donna Maria Nuñez: Sol Miranda
Gretchen Chalker: Lauren Adams
Mikey Politano: Mike Carlsen
Xanthippe Voorhees: Dylan Gelula
Buckley Voorhees: Tanner Flood
Richard Wayne Gary Wayne: Jon Hamm
Dong Nguyen: Ki Hong Lee
Mimi Kanasis: Amy Sedaris

Nachdem sich Kimmy in der ersten Staffel Pastor Wayne und in der zweiten ihren eigenen Verdrängungsprozessen inklusive Muttertrauma gestellt hat, scheint für sie der Weg nun frei sich ihrer Zukunft zu widmen. Also warum nicht einfach zur Uni gehen? Lillian kandidiert derweil für den lokalen Gemeinderat, um weichgespülten Hipstern, Millennials und anderen Trend-Modernisierungen der Gegenwart in ihrem Viertel Einhalt zu gebieten und gerät dabei mit dem Supermarktunternehmer Artie Goodman (Peter Riegert) aneinander, der in der Nachbarschaft einen seiner schicken Bio-Supermärkte eröffnen will. Jacqueline hatte zuletzt mit dem philanthropischen Anwalt Russ Snyder (David Cross) sowohl einen Mann gefunden, in den sie sich unerwartet verliebt hat, als auch einen Verbündeten, um nun den Namen des Footballteams der Washington Redskins zu ändern und ihrem Volk endlich zu mehr Gerechtigkeit zu verhelfen. Und Titus? Nachdem dieser am Ende von Staffel 2 seinem neuen, festen Freund Mikey (Mike Carlsen) bei dessen Coming-Out gegenüber seiner Familie unterstützt hatte, ging er mit Mikeys Segen ein viermonatiges Musical-Engagement auf einem Kreuzfahrschiff ein. Doch jetzt kehrt Titus unter mysteriösen Umständen zwei Monate zu früh zurück. Nicht nur hält er unter unheilvollen Andeutungen die Details der Kreuzfahrt geheim, auch beobachtet er, wie Mikey viel zu freundlich mit einem anderen Mann verkehrt.

Pointen werden pro Sekunde gezählt
Wer mit Tina Feys 30 Rock vertraut ist, hat wahrscheinlich schon eine ganz gute Vorstellung von der Art von Humor, die auch Unbreakable Kimmy Schmidt (von hier an UKS abgekürzt) anwendet: Hochgeschwindigkeits-Comedy, die alle Register zieht: Wortspiele, Parodien, Slapstick, Absurdes, Surreales, Selbsterniedrigung und Ironie in einer Bandbreite von flach bis virtuos, alles wird in einem Tempo geboten, dass man kaum folgen kann. Untere Schubladen werden auch gerne aufgerissen, stehen aber in einem schönen Kontrast zu Kimmys naiven Gemüht und ihrer kinderfreundlichen, sprachlichen Selbstzensur („Gosh darn Mommy-Fudger“). Was bei UKS noch dazu kommt, und bei dem binge-freundlichen Streamingformat gut zur Geltung kommt, ist eine Fülle an Running-Gags, wie man sie sonst höchstens aus How I met your Mother kennt, ohne dass sie hier erst nochmal mit Voice-Over und Rückblicken anmoderiert werden müssen. Pointen, die in anderen Serien nach einem Lacher links liegen gelassen werden, werden in UKS schon innerhalb der selben Folge mehrmals wieder aufgegriffen und am Rande des Unterbewusstseins in weiteren Folgen immer wieder eingestreut. Witzige Sonderbarkeiten entwickeln sich sogar zu ganzen Erzählsträngen und Figuren mit anscheinend kurzlebigen Auftritten werden zu wichtigen Stammgästen.

Komödien-Figuren, die sich mal nicht nur von einer Liebesbeziehung in die nächste entwickeln
Wenn man UKS auf pures Gagfeuerwerk reduzieren will, tut man ihr definitiv unrecht. Gerade bei so einer sonderbaren Ausgangslage ist die Verlockung groß, dass eben diese bis zum kompletten Verschleiß ausgewalzt wird, sprich, dass die Quelle an Bunker-Rückblicken und 15 Jahre verpasster Zeitgeschichte alles ist, was an Witzpotential da ist. Die Serie zieht Kimmys Weiterentwicklung weg von ihrer Vergangenheit jedoch ernsthaft durch und verteilt auch die erzählerische Last im Serienverlauf immer gleichmäßiger auf der Stammbesetzung. Viele Comedy-Serien lassen sich leicht in sich ziehende Beziehungs- oder Karriereperioden ihrer Figuren einteilen und wenn man sich Anfang und Ende ansieht, hat man doch irgendwie den Eindruck, dass da immer noch dieselben Figuren mit ihren bestimmenden Eigenschaften über den Bildschirm turnen, die sich kein bisschen verändert haben. Auch wenn besonders Kimmy durch diverse Jobs und scheiternde Beziehungen wechselt, ist bei UKS doch vieles anders. Figuren, die anfangs noch wie oberflächliche Karikaturen und Vorlagengeber wirken, entwickeln sich. Hintergründe, die eigentlich nur Pointe scheinen, werden fester Bestandteil der Biografie und der Persönlichkeit der Figuren und bilden die Grundlage für ihre Probleme und ihre nachvollziehbare Weiterentwicklung. Titus, Lillian und Jacqueline schaffen es wie Kimmy, diese dünne Linie zwischen dem Witzig-Absurdem und einer Sympathie zu laufen, die einen gelegentlich auch mitfühlen lässt, ohne dabei pathetisch zu werden. Das alles geschieht unter einem wiederkehrenden Leitmotiv der Emanzipation und einer sich verwirklichenden Unabhängigkeit der Figuren von ihren angestammten (Geschlechter)Rollen, wobei dementsprechend aber auch irrwitzige Auswüchse gerne veralbert werden.

Ich weiß nicht woran es lag, aber ich habe UKS lange liegen lassen und vor kurzem erst nachgeholt, vielleicht weil ich die Ausgangssituation als etwas zu verrückt (und auch nicht als so witzig) empfand. So richtig überzeugt hat mich der Anfang der Serie dann auch nicht wirklich, aber im Laufe der ersten und besonders der zweiten Staffel nimmt sie nicht nur in Sachen Unterhaltung Fahrt auf, sondern schafft es auch immer mehr seine Figuren interessanter zu machen. Ellie Kemper spielt mit Kimmy eine an energischer Naivität noch einmal herrlich überhöhte Figur, wie sie sie auch schon in The Office gespielt hat, während Jane Krakowskis Figur auch sehr ähnlich ihrer Rolle aus 30 Rock ist, aber eine sehr positive Entwicklung durchmacht. Carol Kane als Lillian wird auch mit jeder Folge interessanter und schafft es dem Comedy-Allerweltstypus der Vermieterin Profil zu verleihen. Die Entdeckung der Serie ist aber definitiv Tituss Burgess. Er schafft es in einer tollen schauspielerischen Bandbreite einerseits einen ziemlich egoistischen und aufmerksamkeitssüchtigen Opportunisten darzustellen und gleichzeitig doch auch seine sympathischen und liebenswerten Momente zu haben. Seine eh schon regelmäßigen Gesangseinlagen wurden in Staffel 3 zu einer Reihe eigenständiger Musikvideos ausgebaut, ohne dabei zu sehr in den Vordergrund zu rücken. UKS ist Unterhaltung pur und schafft es für mich, von Staffel zu Staffel besser zu werden, eine bewundernswert absurde und konsequente Entwicklung ihrer Figuren aufzubauen und ich warte mit enormer Vorfreude auf die vierte Staffel.

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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