What happened to Monday?

Eine Schauspielerin, die mehr als nur eine Rolle übernimmt? Kam schon häufiger vor, man denke an diverse Filme mit Zwillingen. Eine Schauspielerin, die gleich mehrere verschiedene Figuren verkörpert? Eine Seltenheit, die in der TV-Serie Orphan Black ihren bisherigen Höhepunkt findet. Dort spielt Tatiana Maslany in mehr als zehn verschiedenen Rollen, die über unterschiedliche Persönlichkeiten, Looks und individuelle Mimiksets verfügen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein solches Konzept auch seinen Weg ins Kino finden würde. An dieser Stelle meldet sich Tommy Wirkolas (Hänsel und Gretel) dystopischer Thriller What happened to Monday? zu Wort, der die mitreißende Geschichte von Siebenlingen erzählt, die in einer überregulierten Gesellschaft überleben wollen, ohne dass jemand davon erfährt, dass sie gegen eine Ein-Kind-Politik verstoßen.

    

Das 21. Jahrhundert hat seine Mitte erreicht, als die Welt allmählich an einer Überbevölkerung zugrunde geht. Natürliche Ressourcen verknappen und der Staat sieht sich gezwungen, mit einer drastischen Familienpolitik Herr der Lage zu werden. Pro Familie ist nur ein Kind erlaubt. Kontrolliert wird das durch das Kinder-Zuteilungsbüro unter der Leitung von Nicolette Cayman (Glenn Close, Guardians of the Galaxy). Deren Agenten spüren überzählige Kinder auf und lassen diese einfrieren. Ausgerechnet in dieser Zeit bringt eine Frau Siebenlinge zur Welt und verstirbt bei deren Geburt. Der Großvater (Willem Dafoe, noch in bester Erinnerung als grüner Kobold in Spider-Man) zieht die Kinder heimlich in seiner Wohnung auf, lehrt und unterrichtet sie. Die nach den sieben Wochentagen benannten Schwestern (alle gespielt von Noomi Rapace, berühmt geworden als Hackerin Lisbeth Salander in Stieg Larssons Millenium-Trilogie) dürfen die Wohnung jeweils nur an dem ihrem Namen entsprechenden Wochentag verlassen. Dabei geben sie sich alle als dieselbe Person aus; eine Frau namens Karen Settman. Das geht so lange gut, bis Monday eines Tages nicht mehr nach Hause zurückkehrt…

Originelle Grundidee mit Raum für Improvisation

Originaltitel What happened to Monday
Jahr 2017
Land USA
Genre Science-Fiction, Dystopie, Action
Regisseur Tommy Wirkolas
Cast Die Settman-Siebenlinge: Noomi Rapace
Nicolette Cayman: Glenn Close
Terrence Settman: Willem Dafoe
Adrian Knowles: Marwan Kenzari
Jerry: Pål Sverre Valheim Hagen
Laufzeit 124 Minuten
FSK

Drehbuchautor Max Botkin (Robosapien: Rebooted) arbeitete den Kern der Geschichte bereits 2001 heraus. Die Logik dahinter ist simpel: Jeden Tag übernimmt eine andere der Schwestern die Rolle der angepassten Karen Settman. Make-up und Perücke sorgen dafür, dass jede Karen täglich identisch aussieht. Die des weiteren benötigten Fähigkeiten sind Geschick und Improvisationstalent. So können die sieben Schwestern einer Arbeit nachgehen, die ihnen hilft, unbehelligt ihr Leben zu leben. Bereits mit dem Verlassen das Hauses beginnt allerdings die Herausforderung jeder einzelnen: Das Gespräch mit dem Quartier. Die Tücken der Arbeitswelt sind da noch einmal deutlich spürbarer und erfordern einen regelmäßigen Austausch sowie die volle Aufmerksamkeit jeder Schwester. Es sind besonders die heiklen Momente, die Spaß machen, wenn für den Zuschauer die individuellen Persönlichkeiten unter Karen Settmans Maskerade hervorschimmern. Die Kontrollen in der Stadt sind strikt und Karens Arbeitsumfeld knallhart.

Spannung von der ersten bis zur letzten Minute

Zu den Stärken von What happened to Monday? gehört nicht nur die Ausgestaltung der einzelnen Charaktere, sondern auch der Erzählstil, welcher immer wieder in die Kindheit der Mädchen abdriftet, um bestimmte Zusammenhänge zu erklären. Das bremst die schnelle Handlung ein wenig aus. Als Thriller überzeugt der Film restlos und die Actionszenen sind stark erzählt. Als Wehrmutstropfen bleiben dabei hier und da kleinere dramaturgische Schwächen. So taucht im Laufe der Spielzeit eine neue Figur auf, Adrian Knowles  , der Liebhaber von Monday, deren Motivation bei näherer Beleuchtung Fragen aufwirft. Hier gerät der Film immer wieder ins Stolpern, legt dann aber doch bis zur Ziellinie einen regelrechten Sprint hin. Das dystopische Orwell-Szenario wird allerdings dabei nicht vertieft, sondern liefert nur die beängstigende Kulisse für das Katz- und Mausspiel. Die Emotionen kommen dabei vor allem zum Ende hin alles andere als zu kurz, schließlich ist Familie ein Thema, welches Platz für vielerlei Gefühlsbindungen birgt.

Aus eins mach sieben

Viele Filme und Serien leben davon, dass (Stunt-)Doubles die Aufgabe übernehmen, Charaktere in Rückenansichten zu imitieren, während der Schauspieler ihnen gegenübersteht. What happened to Monday? kommt ganz ohne solche Situationen aus, sondern lebt von moderner Technik, die es ermöglicht, ein Abendessen mit allen Schwestern zu inszenieren. Noomi Rapace verkörpert dabei sieben bereits äußerlich völlig unterschiedliche Charaktere. Hier ist große Schauspielkunst gefragt, denn vom schüchternen Nerd bis zum wilden Partygirl werden unterschiedliche Typen repräsentiert. Nicht nur ein Traum, sondern auch eine Herausforderung für jeden Schauspieler, jede Figur einzeln zum Leben zu erwecken. Noomi Rapace‘ Mimikspiel mag nicht so ausgefeilt sein wie Tatiana Maslanys Darbietung in Orphan Black, doch es gelingt ihr, die diversen Profile der jeweiligen Damen hervorzuarbeiten, sodass der Zuschauer nach kurzer Zeit weiß, mit welchem Wochentag er welche Persönlichkeit verbinden darf.

What happened to Monday? konnte mich restlos überzeugen und zählt trotz kleinerer Stolpersteine zu meinen absoluten Kino-Lieblingen aus 2017. Liebhaber von Diversität erfreuen sich an den unterschiedlichen Profilen der Frauen, während Thrillerfans einen schnellen Film vor einem spannenden Szenario serviert bekommen. Der eine oder andere Twist mag für erfahrene Zuschauer mehr als nur offensichtlich auftreten, doch angesichts der sonstigen Cleverness der Geschichte fällt es leicht, darüber hinweg zu sehen. Mein persönlicher Schmerz ist die Figur von Adrian: Zuerst wirkt seine Beziehung zu Monday wie eine Affäre, doch plötzlich ist bereit, sein Leben für sie zu geben. Schließlich bleibt ihm nicht viel Zeit, die Dinge zu hinterfragen, und schon schließt er sich den überlebenden Schwestern an, damit das Finale nicht ohne die Überlegenheit männlicher Stärke auskommen muss.  Sieht man davon einmal ab, wurde ich bestens unterhalten.

Diesen Artikel teilen

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig „Die Werwölfe von Düsterwald“-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
wpDiscuz