Zwischenfazit: Berlin Station – Staffel 2

Die zweite Staffel von Berlin Station hat mit Folge 5 am 07. Oktober 2017 ihre Halbzeit erreicht. Nur noch wenige Tage vor der Bundestagswahl steigen die Umfragewerte der PfD und die Gefahr für die deutsche Demokratie spitzt sich weiter zu. Zwar wurden die Pläne von Otto Ganz abgewendet, doch seine Hinterfrau Katerina Gerhardt ist immer noch auf freiem Fuß und propagiert weiter ihre völkischen Botschaften. Doch ist ihr Erfolg wirklich nur damit zu erklären oder gibt es treibende Kräfte hinter der populistischen Partei?

Nachdem Daniel Miller mit Hector deJeans Hilfe erfolgreich das Vertrauen von Otto Ganz sowie seiner Tochter Lena erringen und ihren geplanten Anschlag vereiteln konnte, fand Millers Undercover-Einsatz nun ein dramatisches Ende. Zwischen der mit der CIA kooperierenden Nummer Zwei in der PfD Joseph Emmerich und Valerie Edwards hat sich aus einem anfänglichen Flirt derweil eine gefährliche Liebschaft entwickelt. Dort mischen sich nun echte Gefühle mit gegenseitiger Manipulation und einem professionellen Misstrauen. Auch zwischen Kirsch und seiner Chefin BB Yates ist es seltsam am Knistern. Steven Frost hat sich indes mitten in die sich verhärtenden Fronten zwischen seiner Nachfolgerin und deren Vorgesetzten Botschafter Richard Hanes bewegt und spielt beide Seiten gegeneinander aus. Dabei ist noch unklar, ob Frost dies tut, um seinen alten Job zurückzubekommen oder nur um seinen ehemaligen Kollegen auszuhelfen.

Ausgelagerte Konflikte und eine warmlaufende Verschwörungsmaschinerie

Während in der ersten Staffel noch Machtkämpfe innerhalb der CIA-Station einen Großteil der Handlung ausmachten, sind diese jetzt nach den zusammenschweißenden Ereignissen rund um die Shaw-Affäre nachvollziehbar geringer ausgefallen. Zwar gibt es mit Botschafter Hanes noch den Feind in den eigenen Reihen und auch Steven Frost reibt sich nach seinem unfreiwilligen Ruhestand an seiner Nachfolgerin BB Yates, doch wurden viele Konflikte auch in die Reihen der Gegenspieler ausgelagert. Einerseits in das liebevolle, aber auch von Misstrauen durchzogene Verhältnis von Vater und Tochter Ganz, andererseits auch in die PfD, wo Emmerich mit der CIA zusammenarbeitet, um seine Vorsitzende zu stürzen und selbst die Parteiführung an sich zu reißen. Im Vergleich zu Staffel 1 fehlt in diesen Konflikten jedoch die Schärfe. Zwar leisten Thomas Kretschmann (Jungle) und Heino Ferch schauspielerisch gleichwertigen Ersatz, doch fehlt die persönliche und destruktive Ebene, die die Auseinandersetzungen zwischen Daniel und Hector oder Robert und Valerie noch mitgebracht haben.
Nachdem die Ganz-Storyline infolge des ersten großen Höhepunkts der Staffel ein Ende gefunden hat, scheint sich der Fokus nun auf die Kräfte hinter den Ereignissen zu richten. Interessant ist, dass PfD-Chefin Katerina Gerhardt zwar von allen als größte Gefahr gesehen wird, diese jedoch nur sporadisch mit ihrem Wahlkampf durchs Bild läuft, ohne dass der Mensch dahinter, geschweige denn eine kongeniale Antagonistin, gezeigt wird. Es wäre wenig überraschend, wenn sich Gerhardt wie Ganz nur als weitere Marionette entpuppt, während jemand, den man bereits besser kennt, sich als Strippenzieher im Hintergrund herausstellt.

Was gibt’s Neues von den Neuen?

Der angedeutete Trend mit vermehrten Ortswechseln scheint sich zu verfestigen. Neben einigen Ausflügen raus aus Berlin in Yates‘ Vergangenheit, scheint nun auch Kirschs und Frosts Weg nach Norwegen zu führen, um die Geldgeber hinter der PfD ausfindig zu machen. Schauspielerisch können unter den Neuen besonders Ashley Judd, Kretschmann und Ferch überzeugen, während Keke Palmer als April Lewis bisher nicht über eine ziemlich typische Rookie-Rolle hinauskommt. Besonders die emotionalen Momente in Yates‘ Vergangenheit oder Ganz‘ ideologisch und emotional aufgeladenes Wortgefecht mit Hector bleiben im Gedächtnis hängen. Heino Ferch glänzt besonders im Zusammenspiel mit Michelle Forbes. Als Joseph und Valerie lassen sie die Zuschauer hervorragend im Dunkeln darüber, inwieweit beide versuchen sich gegenseitig auszuspielen oder doch echte Gefühle füreinander im Spiel sind.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass (sogar noch besser als in der ersten Staffel) die Antagonisten nicht eindimensional als Böse gezeichnet werden, sondern, dass sich, trotz hochgradig ideologischer Verirrungen, dahinter Menschen befinden, die man ein Stück weit verstehen kann.

Bisher hält die zweite Staffel Berlin Station durchaus das Niveau der ersten. Stärken wie eine konstant hohe Spannung und eine geschickte Erzählweise bezogen auf die Figuren und gegenwartsrelevante Themen werden aufrechterhalten. Negativ finde ich, dass das stimmungsvolle, tiefe Eintauchen in die Stadt Berlin, was ich in der ersten Staffel so toll fand, bisher eher ins Hintertreffen geraten ist und nach meinem persönlichen Geschmack könnte es einfach auch mehr Hector deJean mit psychisch labilen Antiheld-Momenten geben. Auch bleibt Protagonist Miller nach wie vor eine der schwächsten Figuren in der Serie. Da hilft es leider wenig, dass Richard Armitage inzwischen einen sehr ansehnlichen Vollbart ins Feld führt.

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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