House of the Dragon (Folge 2×05)

Drachen sind Gamechanger. Aber wie geht das neue Spiel, das sie eingeläutet haben? Auf beiden Seiten des Konflikts herrscht Ratlosigkeit. House of the Dragon Staffel 2 geht das Problem an, wie es im Verlauf der Serie schon immer gut funktioniert hat: Alle reden miteinander, jeder hat seinen nachvollziehbaren Standpunkt. Am Rande der Handlung wird geplündert und gebrandschatzt, das Volk hungert und murrt. Aber im Mittelpunkt stehen mal wieder geschliffene Dialoge.

 

Inhaltsangabe

Ser Kriston Kraut und sein Heer kehren siegreich nach Königsmund zurück, der erbeutete Kopf von Rhaenys‘ Drachen Meleys wird zur Schau gestellt. Doch das Volk ist eher verunsichert als begeistert, ein toter Drache ist ein Sakrileg und ein böses Omen, kein Grund zum Jubeln. Im Gefolge ein Pferdegespann, das eine auffällig unauffällige Holzkiste transportiert. Darin liegt der schwerverletzte Köngi Aegon. Er hat beim Drachenkampf schwere Verbrennungen und multiple Knochenbrüche erlitten und bisher das Bewusstsein nicht wiedererlangt. Auch der Hofarzt kann nicht für sein Überleben bei klarem Verstand garantieren. Also muss ein Regent ernannt werden. Alicent bietet sich an, sie hat diesen Posten schon während der Krankheit ihres Mannes übernommen. Doch die Ratsherren wollen in Kriegszeiten keine Frau an der Spitze. Und auch Ser Kriston, dessen Wort als Hand des Königs besonders viel Gewicht hat, stimmt für Prinz Aemond, den Reiter des stärksten Drachen.

Auf Drachenstein betrauert man den Tod von Rhaenys. Auch Rhaenyra muss sich mit Ratsherren auseinandersetzen, die einer Frau die Führungsrolle in Kriegszeiten nicht zutrauen. Sie hadert damit, zur Untätigkeit gezwungen zu sein. Mysaria rät ihr, sich auf das Volk zu besinnen, das unter Aegons Herrschaft leidet, denn durch den Krieg und die Seeblockade werden in Königsmund die Lebensmittel knapp. Das könnte zu Rhaenyras Vorteil sein, argumentiert Mysaria und entsendet eine junge Frau nach Königsmund, mit bisher noch ungeklärter Mission. Rhaenyra ernennt Corlys Velaryon zur Hand der Königin. Der zögert, doch Baela, die in die Fusstapfen von Drachenkriegerin Rhaenys treten will, überzeugt ihn, dieses Amt anzunehmen.

Auf Harrenhal verliert sich Daemon immer mehr in Träume und Machtphantasien. Er hat Haus Schwarzhain auf seine Seite gebracht, doch das verfeindete Haus Bracken verweigert auch bei Androhung von Drachenfeuer die Gefolgschaft. Also legt Daemon den Schwarzhains nahe, Haus Bracken mit Methoden, die nicht mit dem Königshaus in Verbindung gebracht werden sollten, zur Gefolgschaft zu zwingen. Soll heißen, die Schwarzhains plündern, brandschatzen und fallen über Frauen und Kinder der Brackens her. Schließlich geben die Brackens sich geschlagen. Doch die anderen Adelshäuser der Flusslande verweigern Daemon angesichts solcher Gräueltaten die Gefolgschaft.

Prinz Jace hält die Untätigkeit nicht länger aus und fliegt davon, um mit Lord und Lady Frey zu verhandeln. Die kontrollieren einen strategisch wichtigen Straßenverlauf und wissen, dass das eine Trumpfkarte ist. Für ihre Kooperation fordern sich Schutz durch Drachen und Burg Harrenhal. Jace geht darauf ein. Rhaenyra sieht den Verhandlungserfolg ihres Sohnes mit gemischten Gefühlen. Einerseits hat er wichtige Verbündete gewonnen, andererseits hat er sich in Gefahr gebracht, denn kein Drache ist Vhagar gewachsen. Jace hat eine Idee: Es gibt zwei reiterlose Drachen, die gegen Vhagar antreten könnten. Ist es wirklich so, dass Drachen nur reinblütige Valyrier als Reiter akzeptieren? Wie wäre es, wenn man unter den entfernten Verwandten, die in andere Adelshäuser eingeheiratet haben, nach potenziellen Drachenreitern sucht?

Ein schwer erkaufter Sieg

Wie sieht die Welt von Westeros nach dem ersten Drachenkampf nun aus? Fazit: zwei tote Drachen, 900 tote Soldaten, eine tote Drachenkriegerin, ein halbtoter König. Ein Sieg der grünen Partei, den keiner feiern mag. Selbst der siegreiche Feldherr Kriston Kraut ist vom Verlauf der Schlacht schwer mitgenommen und sieht nun noch viel mehr Grauen und Drachenfeuer auf Westeros zukommen, was vermutlich eine realistische Einschätzung ist. Interessanterweise ist der Absturz von König Aegon kein Vorteil für Rhaenyra und ihre Verbündeten. Denn ein handlungsunfähiger Konig schafft ein Machtvakuum, das andere füllen können. Und so ist der einzige Gewinner bisher Prinz Aemond, nach guter alter Game of Thrones-Tradition der Charakter mit den wenigsten Sympathiepunkten, der zumindest für kurze Zeit den größten Erfolg zu haben scheint. Nun hat der Einsatz von Drachen den Fokus von Heeren, Heerführern und Kriegsparteien zu einzelnen Drachen und ihren Reitern verschoben. Aber das große Ganze bleibt nicht unbeleuchtet. Kleinere Szenen widmen sich den Adelshäusern von Westeros, den Freys, den Arryns, den Flusslords. In Königsmund hungert das Volk und wird zunehmend aggressiv. Da steckt noch eine Menge Konfliktpotenzial, das ein Einzelner und sein Drache kaum lösen können. Nicht dass Aemond daran überhaupt interessiert wäre.

Parallelen allenthalben

Wie sich die Bilder gleichen. Hat man viel Stoff zu bewältigen, ist die Parallele ein hübsches Instrument der Ordnung. Sowohl Rhaenyra als auch Alicent hatten es schon immer schwer, sich in einer Männerwelt zu behaupten, aber wenn die Stichworte „Krieg“ und „das zarte Geschlecht“ fallen, dann wird die eine wie die andere von ihren männlichen Beratern einfach an den Rand gedrängt und übergangen. Sie darf bestenfalls dabei sitzen und zuhören, wenn die Männer Pläne schmieden. Wobei Rhaenyra die Einfallsreichere ist, sie hat immerhin zwei Strategien, die sie weiter verfolgen kann. Alicent bleibt nur, Ser Kriston herunterzuputzen und am Krankenbett ihres Sohnes zu sitzen. Daemon und Aemond treffen sich zwar nie, nähern sich einander immer weiter an. In einer von Daemons Visionen sieht er sich selbst mit Augenklappe, so wie Aemond. Zwei ewige Zweite, die den Thron wollen, auf geradem Weg einfach nie dort hin kommen werden und darum den krummen Weg wählen. Wobei Aemond seinen Aufstieg fast wortlos vollzieht, während Daemon und seine seelischen Abgründe sehr viel Text und Screentime bekommen. Und zum zweiten Mal schon ist sein Abstecher in die Welt des Verbrechens ein fatales Eigentor, weil er sich unzuverlässige Handlanger sucht, die ihn mehr belasten als sie ihm nützen.

 

Fazit

Eine etwas schwergängige Folge, Sicherlich, nach der Schlacht müssen erst einmal die Scherben aufgesammelt und neue Strategien entwickelt werden. Aber trotzdem, House of the Dragon konnte das schon einmal besser. Vielleicht liegt es an dem blassen Nachwuchs. Während alle Figuren, die wir schon seit Staffel 1 kennen, sich zu starken Charakteren entwickelt haben, denen man gern beim Grübeln und Erörtern zuhört, bleiben die jüngeren Figuren, besonders Jace und Baela schematisch und wenig überzeugend. Liegt es an der mangelnden Ausstrahlung der Jung-Mimen Harry Collett (Die fantastische Reise des Dr. Dolittle) und Bethany Antonia (Wer einmal lügt) oder an den allzu papierenen Dialogen, die sie sprechen müssen? Sie ziehen jedenfalls Folge 5, die sonst starke Momente zu bieten hat, leider etwas etwas herunter.

© WOW

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