Guardian of the Spirit

Guardian of the Spirit wurde am 2. Juni 2017 erstmals von Universum Anime als Blu-ray Komplettbox veröffentlicht. Der 2007 produzierte Anime feiert sein zehnjähriges Jubiläum. In Deutschland gehört die Serie eher zu den unbekannteren Titeln, dabei ist die märchenhafte Inszenierung durchaus einen Blick wert.

  

Als Balsa nach zwei Jahren nach New Yogo zurückkehrt, ahnt sie nicht, wie sich ihr Leben verändern wird. Sie sieht einen Unfall mit an, bei dem der 11-jährige Prinz Chagum von einer Brücke in einen reißenden Fluss stürzt. Balsa zögert nicht und rettet den Jungen. Zum Dank wird sie von der Kaiserin in den Palast eingeladen. Dadurch erfährt sie, dass Chagum anscheinend von einer fremden Macht beherrscht wird und der Kaiser ihn deswegen umbringen will.

Der Beginn eines fesselnden Abenteuers

Balsa bekommt als Leibwächterin ein nicht gerade faires Angebot von der Kaiserin. Sie kann nur zwischen Leben und Tod wählen. Schließlich wird sie in ein Geheimnis um den Prinzen eingeweiht und das Beschützen seines Lebens wird zu ihrer Lebensaufgabe. Wie sich herausstellt, will sie Buße tun für die acht Leben, die in ihrer Vergangenheit von dem Mann genommen wurden, der sie aufzog. Prinz Chagum soll der achte sein, den sie rettet. Das spiegelt sich auch in ihrer Art zu kämpfen wieder, denn sie tötet keinen ihrer Verfolger. Chagum gewinnt die herzensgute Leibwächterin recht schnell lieb und will ihr und den anderen nicht zur Last fallen. Doch sie sind auch auf die Hilfe von Tanda, einem Heiler und den zwei Waisenkindern Toya und Saya angewiesen. Hinzu kommen die alte Shamanin Torogai (die eine nicht minder große Rolle spielt) und der Sternendeuter Shuga. Der Tod des Prinzen wird vorgetäuscht, damit der Kaiser nicht weiter nach dem Prinzen suchen lässt. Davon lässt sich Shuga nicht beirren, denn er glaubt nicht an seinen Tod. Letztendlich wollen alle eine Dürre verhindern und den Prinzen retten, der das Ei eines Wassergeistes in sich trägt. Was ihnen nach einem harten Kampf gegen die La Lunga (Eierfresser) gelingt. Das Ei wird dann von Tanda und Balsa, die wie Chagums Eltern wirken, aus ihm herausgeholt. Ein herzergreifender Abschied zwischen Balsa und dem Prinzen ist unvermeidlich, da dieser an den kaiserlichen Hof zurückkehren muss. Tanda, der in Balsa verliebt ist, muss sich gedulden bis sie zu ihm zurückkehrt.

Weder Mensch, noch Tiger 

Originaltitel Seirei no Moribito
Jahr 2007
Episoden 26 (1 Staffel)
Genre Fantasy, Abenteuer, Drama
Regisseur Kenji Kamiyama
Studio Production I.G.

Das Animationsstudio Production I.G (Joker Game) hat hier auf Grundlage der Fantasy-Romanreihe Moribito der Autorin Nahoko Uehashi (Kemono no Souja Erin), einen 26-teiligen Anime produziert. In Zusammenarbeit mit der Autorin wurde der Anime durch weitere Szenen erweitert. Das realistische Charakter-Design stammt von Gatou Asou (009 Re:Cyborg). Verglichen mit Illustrationen der Romanreihe, sehen die Charaktere aber etwas anders aus. Hier wird auch nicht in eine bunte Farbpalette gegriffen, wodurch der Anime insgesamt düsterer wirkt. Balsa überzeugt von Anfang an mit ihrem Charme und es wird deutlich, das sich hinter ihrem Charakter mehr verbirgt als es scheint. Im Verlauf zeigt sich, dass sie sogar ähnliches wie Chagum in ihrer Vergangenheit erlebt hat und auch beschützt werden musste. Sie nimmt die Rolle der Mutter für ihn ein, was nicht immer einfach ist. Chagum begibt sich öfters in Gefahr, was für ein Kind nicht unüblich ist. Egal ob beim Aufdecken von Glücksspielbetrügern oder bei einem Rucha-Turnier – trotz der Warnung von Balsa, dass er keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen soll. Der eine oder andere Konflikt zwischen den beiden ist dadurch vorprogrammiert. Hinzu kommt, dass Balsa ihm ein wichtiges Detail über das Ei des Wassergeistes verschweigt. Die Charaktere verhalten sich hierbei glaubhaft und generell ist die Serie trotz übernatürlichen Elementen realistisch gehalten. Balsa wird beim Kämpfen auch mal verletzt und ist nicht unbesiegbar. Sie ist menschlich, doch manchmal kann sie auch zum Tiger werden, was an ihren guten Kampfkünsten liegt. Viele Kämpfe gibt es nicht zu sehen, da hier mehr auf die inneren Konflikte der Charaktere gesetzt wird.

Von der Optik bis zum Klang

Doch die wenigen Kampfszenen können sich sehen lassen, die Production I.G mit flüssigen Animationen und stimmigem Soundtrack spannend inszeniert hat. Abgesehen von der Flucht bekommt man einen Einblick in ihr alltägliches Leben. Chagum hat dabei auch die Gelegenheit, mit Kindern zu spielen und einfach wie ein ganz normaler Junge zu sein. Dazu lernt er mit Händlern zu feilschen, was auch nicht so unwichtig ist. So wird die Entwicklung seines Charakters vorangetrieben. Der Anime baut nur lose auf geschichtlichen Ereignissen auf und überzeugt mit etwas Eigenem. Es handelt sich hierbei nicht um das alte China, wie vermutet werden könnte, sondern um ein fiktives Asien. Der Soundtrack wurde von Kenji Kawai (Joker Game) beigesteuert. Dieser überzeugt mit fröhlichen, bedrückenden, düsteren, so wie actionreichen Musikstücken. Besonders stechen unter anderem die Tracks “Omoi Haruka“, “Nahji no Uta“, “Anryuu“, “Tamikusa no Sasoi“ und “Balsa Hashiru“ hervor, die eine besondere Atmosphäre schaffen und am ehsten im Gehör bleiben.

Guardian of the Spirit ist für mich eine wahre Perle unter den Animes. Die Serie gehört definitiv zu denen, die man gesehen haben sollte, denn sie ist in dieser Art einmalig. Hier stimmt einfach das Gesamtpaket aus durchdachter Story, einem authentischen Setting, sympathischen Charakteren und einem tollen Soundtrack. Es ist daher sehr erfreulich, dass Universum Anime erstmals eine Blu-ray Komplettbox herausgebracht hat und in dem Zuge auch eine neue Gesamtbox auf DVD. Die Stimmen passen perfekt zu den Charakteren, nicht einmal bei den weniger wichtigen Charakteren ist mir jemand negativ aufgefallen. Vollkommen zurecht hat der Publisher einen guten Ruf bei den Fans, was oft in Social Media durch die positiven Reaktionen auffällt. Chagum hört sich auch seinem Alter entsprechend an, was bei anderen Publishern nicht immer gegeben ist. Balsa ist eine starke Kämpferin und eine echte Bereicherung unter den Anime Charakteren. Es sollte in Animes mehr weibliche Charaktere von ihrer Sorte geben. Dazu tanzt sie als Hauptcharakter mit 29 Jahren aus der Reihe. Zumindest wenn man bedenkt, dass es in Animes üblich ist, junge Charaktere zwischen 12 und 18 als Protagonisten zu zeigen. Chagum konnte mich auch sehr überzeugen, weil er mutig und klug ist. Ich dachte am Anfang, dass er wieder nur ein verwöhnter Prinz sei, aber dieses Vorurteil konnte er schnell ausräumen. Er hat sein Herz am rechten Fleck und ich habe ihn schnell lieb gewonnen. Shuga und Tanda sind auch ganz interessante Nebencharaktere, die ich sehr gern mag. Sie haben sogar recht viel Screentime. Ansonsten bin ich ein Fan von Kenji Kawai. Dieser gehört zu meinen Lieblingskomponisten. Schon mit den Soundtracks zu Higurashi no Naku Koro Ni, Ghost in the Shell, Joker Game, Fate/stay Night und Eden of the East konnte er mich begeistern. Zu meinen Lieblingsmusikstücken aus Guardian of the Spirit gehören unter anderem “Nahji no Uta“, “Teidou no Balsa“, “Ikai“ und “Ichi Hishigi“. Das Opening “Shine“ von L’Arc-en-Ciel empfinde ich als einen guten Start in den Anime. Nach mehrmaligem hören ist es zu einem meiner Favoriten geworden. Das Ending “Itoshii Hito e“ von Sachi Tainaka unterstreicht aber viel besser die Stimmung des Animes. Gefällt mir sogar noch einen Ticken besser, als das Opening, weil es mich von den Lyrics her gerührt hat. Neben dem Anime wurde Moribito in Japan auch als Hörspielserie, Live-Action-Serie und Manga adaptiert. Leider ist davon nichts in Deutschland erschienen, was sehr schade ist.

Zweite Meinung:

Guardian of the Spirit sah ich zum ersten Mal mit elf Jahren und war schon damals sehr angetan von der Serie. Der Mix aus Fantasy, starken Charakteren, interessanter Geschichte und natürlich wunderschönem Soundtrack macht den Anime zu einem Ausnahmewerk. Auch heute mag ich die Serie noch wirklich gerne, was besonders an Balsa liegt. Sie ist ein starker, mehrdimensionaler Charakter, den man so selten findet. Es wäre schön, mehr weibliche Hauptcharaktere wie sie zu haben, da sie sich auch mit ihrem Alter von 29 Jahren positiv abhebt. Mit Chagum konnte ich mich als Kind ganz gut identifizieren und er ist auch eine wirklich symphatische Figur. Er ist kein verwöhnter Bengel, sondern ein liebenswerter Charakter, der viel Mut hat und eine schöne Charakterentwicklung durchmacht. In jedem Falle hat der Anime kein bisschen seines Charmes eingebüßt. Vor allem die Atmosphäre präsentiert sich als außergewöhnlich, da sie trotz Fantasy-Setting viel Realismus vermittelt. Allgemein hält sich der Anime häufig düster, jedoch auf einer ausgewogenen Ebene. Guardian of the Spirit kann ich jedem empfehlen, der Lust auf eine durchdachte Serie mit toll ausgearbeiteten Charakteren hat, die sich ebenso vom Großteil der Animeproduktionen abhebt.

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Alva Sangai

Alva arbeitet mit viel Papierkram, was nicht unbedingt spannend ist. In ihrer Freizeit sind ihr Anime, Manga und Bollywood-Filme/Serien wichtig. Sie hört sehr gerne Musik, schreibt Geschichten und zeichnet ab und zu. Ein Tee darf dabei nicht fehlen, der auch zur Entspannung beiträgt. Besonders Schwarztee mag sie ganz gern. Ansonsten hat sie eine Schwäche für soziopathische Bösewichte, was sich öfters in ihren Lieblingscharakteren widerspiegelt.

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Aki
Redakteur

Ich hab die ältere DVD Komplettbox zu Hause stehen und kann den positiven Kommentaren hier nur beipflichten. Balsa ist eine so tolle Hauptfigur, dass ich immer noch hoffe und bete, dass es irgendwann mal eine zweite Staffel geben wird. Bis jetzt habe ich es auch noch nicht geschafft mir die Romane vorzunehmen. Schaden und Asche über mein Haupt!
Ist schon eine Weile her, dass ich den Anime gesehen habe. Habe aber versprochen ihn in einer Runde mit meinem Freunden bald wieder anzuschauen.
Von mir daher auch eine Empfehlung was diesen Anime angeht. Er ist einfach toll! *schwärm*

Iruka
Mitglied

Bei unserem letzten Watch hat Aki die Serie eingeworfen. Am Ende der ersten Folge: Gespannter Blick von ihr, Kommentar von mir: Nächste Folge, bitte bitte! Die Serie hat mir gleich von Beginn an gefallen. Endlich mal eine weiblich Person, die kein kleines, hilfloses Mädchen ist. Sie kann kräftig austeilen und ist dazu noch schlau. Sehr sympathisch finde ich auch, dass sie erwachsen ist und sich auch so verhält. Pluspunkt beim Prinz: Er ist keins dieser verhätschelten Muttersöhnchen, die sofort motzen oder heulen. Ich bin sehr gespannt, wie die Reise der beiden weitergeht. Ein paar Mal kann ich noch zu Aki sagen: Bitte die nächste Folge! Was sie bestimmt mit einem sehr zufriedenen Gesichtsausdruck machen wird.

Aki
Redakteur

Was hab ich mich gefreut, dass ich einen Volltreffer gelandet habe mit der Serie 😀 Zwar waren Sengoku Basara und Robotics;Notes keine Nieten aber der Funke sprang ja nicht so über, daher hab ich echt meine Hoffnungen in die gute Balsa gelegt.
Ich finde Balsa auch richtig klasse. Eine meiner Lieblingsdamen im Animebereich. Ich war echt wieder begeistert wie taff sie ist aber halt auch nicht perfekt. Der Kampf gegen die Sucher auf dem Reisfeld war echt ein Augenschmaus. Da war ich dann für einen Moment auf alle neidisch, die den Teil in Blu-Ray Quali sehen können. >-<
Freue mich daher, wenn wir demnächst in unserem Anime-Zirkel weiterschauen. Bein selber gespannt, wie es weiter geht, da ich fast alles vergessen habe.

Iruka
Mitglied

Ich finde die Qualität ist doch auch so richtig gut. Es macht Spaß, die Serie zu schauen, da bin ich nicht ganz so pingelig, was die Schärfe und die Details angeht. Freue mich auch schon auf die nächsten Folgen und bin gespannt, was nach Balsas Abenteuer kommt…