Detektiv Conan – 14. Film: Das verlorene Schiff im Himmel
Kein Mordfall, kein Todesopfer, keine Tatwaffe. Gab es so etwas schon einmal in einem Detektiv Conan-Film? Stattdessen sind Killerbakterien im Umlauf, die Juckreiz und Fieber auslösen, bis hin zu Organversagen. Ein Gegenmittel wurde noch nicht entwickelt. Zum insgesamt 14. Mal (und zum ersten Mal auf Blu-ray) löst Conan Edogawa seine Fälle in Spielfilmlänge. Seit 2011 gibt es den Film in Deutschland dank Kazé Anime zu genießen. Detektiv Conan – Das verlorene Schiff im Himmel bringt den galanten Meisterdieb Kaito Kid ins Spiel, der die Herausforderung, den wertvollen Diamanten „Lady Sky“ an sich zu bringen, annimmt. Was wäre spektakulärer als diese Raubaktion im Himmel auf einem Luftschiff zu inszenieren? Ohne den kleinen Schülerdetektiv Conan Edogawa und seine Kollegen kann das Ganze jedoch nicht funktionieren und so begeben wir uns auf einen Jungfernflug von Tokio nach Osaka. Aber was haben gestohlene Biowaffen mit dem angekündigten Diebstahl des Diamanten im Himmel zu tun?
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Ein bioterroristischer Anschlag auf eine Forschungseinrichtung versetzt Tokio in Aufruhr. Es wurden gefährliche Mikroorganismen entwendet, deren Inhaltsstoffe einen Virus auslösen können. Dahinter soll die Organisation „Rote Siamkatze“ stecken. Der Polizei liegt bereits ein Bekennerschreiben vor. Die Aufmerksamkeit der Presse richtet sich größtenteils auf den Überfall im Labor. Jirokichi Suzuki ist wütend, denn er wollte die Schlagzeile in der Zeitung für sich haben. Sie sollte von seiner Entwicklung des gigantischen Luftschiffs „Bell Tree“ und dessen Jungfernfahrt von Tokio nach Osaka sprechen. An Bord befindet sich der Diamant „Lady Sky“. Herr Suzuki hat es sich zur Aufgabe gesetzt, den Meisterdieb Kaito Kid zur Strecke zu bringen. Mit der Schlagzeile wollte er ebenfalls Kid herausfordern und den Köder, den Diamanten zu stehlen auswerfen. Trotz allem nimmt Kaito Kid den Kampf auf. An Bord des Luftschiffs befinden sich einzelne Mitarbeiter der Zeitung, die Polizei und natürlich der Schülerdetektiv Conan Edogawa. Begleitet wird er von seiner Freundin Ran, deren Vater Kogoro Mori, Professor Agasa und den Detective Boys. Können sie Kaito Kids Vorhaben, den Diamanten zu stehlen, verhindern?
Wer bringt Kid zur Strecke?
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Originaltitel | Meitantei Conan: Tenkuu no Lost Ship |
Jahr | 2010 |
Laufzeit | 102 Minuten |
Genre | Krimi, Action |
Regie | Yasuichiro Yamamoto |
Studio | TMS Entertainment |
Veröffentlichung: 13. Mai 2021 |
Kaito Kids Aufmerksamkeit für wertvolle Edelsteine zu wecken, ist nicht schwer. Ihn zu fassen hingegen sehr. Das musste Jirokichi Suzuki schon mehrmals feststellen. Dennoch gibt er so schnell nicht auf. Hinter ihm verbirgt sich der Onkel von Rans Freundin Sonoko. Er ist unternehmungslustig und als Berater der Suzuki-Finanzgruppe sehr erfolgreich. Zudem kann man ihn als ruhmsüchtig bezeichnen. Durch das Ausüben von Extremsportarten und verschiedenen Aktionen gelang es ihm, sich einen Stammplatz auf der Titelseite der japanischen Zeitungen zu sichern. Doch dann kam Kaito Kid. Dass sich der Meisterdieb vor Herrn Suzuki geschoben hat, nimmt Jirokichi persönlich und seit dieser Aktion ist Kaito Kid der größte Feind. Onkel Jirokichi versucht mit allen Mitteln, den Dieb zur Strecke zu bringen, um sich seine Titelseite wieder zu sichern. Er knausert nicht und setzt ein beachtliches Vermögen ein, um Kid mit wertvollen Schmuckstücken zu ködern. Zusätzlich kann er so seine Ideen, Fallen für Kid zu entwickeln umsetzen, um den Einbrecher am Tatort festzunageln. Da bei Einbruchaktionen von Kaito Kid auch der Schülerdetektiv Conan Edogawa zumeist nicht weit weg ist, liegt die Vermutung nahe, dass Jirokichi auch Conan gegenüber eine Art Rivalitätsdenken entwickelt. Denn schließlich soll nicht Conan den Dieb fassen, sondern Herr Suzuki.
Dieb oder nicht Dieb?
Gentleman-Dieb, Schlitzohr, Verkleidungskünstler, Meisterdieb. All das trifft auf Kaito Kid zu. Seine elegante, charmante Art und sein professionelles Auftreten lassen so einige Frauen schwärmen. Auch Zuschauenden fällt es schwer, ihn aufgrund seiner sympathischen Ausstrahlung als Bösewicht und Schurken zu deklarieren. Doch was steckt hinter seinem Drang, einzubrechen und Edelsteine der ganzen Welt zu stehlen? Und noch dazu seine Manier à la Robin Hood, die Diamanten auch wieder zurückzugeben? Im Film Detektiv Conan – Das verlorene Schiff im Himmel gibt es einen kurzen Moment, in dem Kaito Kid den Juwel Lady Sky im Mondlicht betrachtet. Diese Szene ist eine Anspielung auf Kids Vergangenheit und den Ursprung der Figur in dem Manga-Titel Magic Kaito Kid. Das Ziel seiner Raubzüge ist nicht Wertvolles für sich zu haben oder Geld zu verdienen. Nein, er ist auf der Suche nach dem Edelstein Pandora, der im Schein des Vollmondes eine rote Farbe annehmen soll. Auf diesen Stein hat es eine Organisation abgesehen, die für den Tod von Kaito Kids Vater, dem ursprünglichen Meisterdieb, verantwortlich ist. Um zu verhindern, dass die Bösewichte diesen Stein in die Finger bekommen und um sie zu fassen, macht er im weißen Anzug Jagd auf die Juwelen der ganzen Welt.
Einbrechen und ausbrechen
Wer den eleganten Meisterdieb Kaito Kid schon einmal gesehen hat, weiß, dass er nicht nur in einem weißen Anzug mit Krawatte, Zylinder und Monokel unterwegs ist, sondern seine Kunst, sich zu verkleiden und mehrere Masken übereinander zu tragen, sehr vielfältig nutzt. Besonders seine körperliche Ähnlichkeit zu Conans wahrem Ich, Shinichi Kudo, spielt ihm hier in die Karten. Zu erraten, unter welchen Verkleidungen Kid in diesem Film steckt, ist jedoch nicht nur für Conan und Ran sehr offensichtlich, wobei Ran sich von seinem Charme durchaus verunsichern lässt. Vor allem ein Pflaster wird zum Verhängnis. Kaito Kid wird in unterschiedlichen Rollen dargestellt. Er bricht nicht nur in das Luftschiff ein und plant den Diamanten zu stehlen, sondern muss diesmal mit Conan zusammen arbeiten. Dieses Aufeinanderprallen der Kontrahenten ist humorvoll inszeniert und sorgt mit witzigen Aktionen dafür, die gefährliche Situation rund um die Killerbakterien aufzulockern. Nachdem der Schülerdetektiv und der Meisterdieb unerwartet aus mehreren hundert Metern Höhe das Luftschiff verlassen mussten, versuchen sie mithilfe von Conans Strategie und Kids Verkleidungskünsten wieder ins Schiff einzubrechen. Conans Draht zur Polizei ist dabei eine große Hilfe. Ja, nicht nur hinter dem Gentleman im weißen Anzug verbirgt sich ein Einbrecher, denn auch Conan hat die nötigen Mittel.
Ein ganz anderer Blick
Trotz der Tatsache, dass die Handlung Kaito Kid sehr in den Vordergrund rückt und was die Präsenz betrifft, auf eine Stufe mit dem Namensgeber Conan setzt, bleibt er nicht der einzige Einbrecher. Denn die Terrororganisation ist bereits in die Forschungseinrichtung eingebrochen und hat die Killerbakterien gestohlen. Danach kapert die Rote Siamkatze das Luftschiff des Suzuki-Konzerns, nimmt alle an Bord gefangen, droht mit dem gefährlichen Virus und Bomben, um einen weiteren Diebstahl zu vertuschen. Da das Luftschiff auf dem Weg von Tokio nach Osaka ist, darf natürlich ein Held aus dem Detektiv Conan-Universum nicht fehlen. Heiji Hattori ist für Conan bei den Ermittlungen an Land eine große Stütze. So werden er und seine Freundin Kazuha geschickt eingebaut, ohne dass es übertrieben wirkt. Viele Köder werden ausgeworfen, denn warum muss Heiji an Land ermitteln, wenn die eigentliche Problematik vom Luftschiff und der bevorstehenden Verbreitung des Virus ausgeht? Diesmal fällt das Rätsel um die Entlarvung des Mörders weg, dafür wird die Vorgehensweise der Terrorgruppe hinterfragt. Ein Conan-Film ohne schlafenden Kogoro, mit kaum Einsätzen von Professor Agasas entwickelten Hilfsmitteln und beinahe auch ohne ein Rätsel des Professors. Aber leider stirbt die Hoffnung in den letzten Minuten der Geschichte.
Ein Luftschiff ist kein Spielplatz
Der 14. Spielfilm aus der bekannten und erfolgreichen Detektiv Conan-Reihe von Gosho Aoyama lädt ein, den Himmel zu befahren. An Bord eines Luftschiffs, das größer sein soll als die berühmte Hindenburg (eines der größten jemals gebauten Luftfahrzeuge). Den Detective Boys wird bei der Führung durch das Luftschiff „Bell Tree“ der Aufbau des Fahrzeugs erklärt und wie ein Luftschiff funktioniert. Das ist nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Zuschauenden interessant. Dank moderner Computeranimationen wirkt das Luftschiff plastisch und realitätsnah. Der Zeichenstil der Figuren bleibt den vorherigen Filmen und der Serie treu. Fans und Kenner des kleinen Detektivs werden sich also nicht an den spitzen Nasen und Gesichtern der Figuren stören. Während im Originalton einige Sprecher ausgetauscht wurden (wie beispielsweise die Stimme des Meisterdetektivs Kogoro Mori) konnten für die deutsche Synchronisation dieselben Sprecher wie in der Ursprungsserie gewonnen werden. Durch einige spannende, mitreisende und überraschende Aktionen schafft es Detektiv Conan – Das verlorene Schiff im Himmel die Zuschauenden in den Bann zu ziehen. Wer ist denn nicht von einem Grundschüler beeindruckt, der auf Bombenjagd mit fulminanten Skateboard-Moves über den Kielsteg im Inneren eines Luftschiffs brettert?
Kleine Unstimmigkeiten
Leider haben sich hier und da ein paar kleine Fehler eingeschlichen. Schon im 20-seitigen Booklet, das als Extra beiliegt, enthält die Charakterbeschreibung ein fehlerhaftes Passbild. Der kleine Junge Satoshi Kawaguchi, der gemeinsam mit Heiji und Kazuha in Osaka unterwegs ist, wird mit dem Foto von Mitsuhiko aus der Gruppe der Detective Boys abgebildet. Dazu gibt es im Film eine Szene, in welcher die Söldner, die sich mit den Killerbakterien ins Luftschiff eingeschleust haben, den Diamanten an sich nehmen. Kurze Zeit später sieht man den blau leuchtenden Stein wieder in der Glasvitrine. Von der Organisation war von Beginn an jemand an Bord und hatte sich als Maulwurf eingeschlichen. Warum ist es also nicht aufgefallen, dass die vier Kinder auf einmal weg sind? Das alles bringt bei genauer Betrachtung Unstimmigkeiten hervor. Ganz zu schweigen von der Standhaftigkeit auf einem Luftschiff unter freiem Himmel. Es bekommt eine ganz andere Bedeutung, nicht vom strömenden Wind auf dem Schiff mitgerissen zu werden, sondern ganz locker zu stehen. Insbesondere dann, wenn man vor allem gesehen hat, dass sich Kid kurz zuvor realistischerweise gerade noch so festklammern konnte. Bis auf das letzte Drittel kann der Film realistisch wirken, danach fehlt leider die Glaubhaftigkeit, was auch die Spannungskurve sinken lässt.
Fazit
Wer an Detektiv Conan denkt, denkt sofort an das Narkosechronometer, seine Fliege, den Fußballausspuckenden Gürtel und an sein Skateboard. Detektiv Conan – Das verlorene Schiff im Himmel wirkt, was das betrifft, eher untypisch. Conan setzt seine Hilfsmittel sehr verhalten ein. Einzig der Fußball bekommt eine übertriebene Aufgabe gegen Ende des Films zugesprochen. Unstimmigkeiten mit Kogoro gibt es nicht. Da die Handlung in der Luft spielt und der Meisterdetektiv unter Höhenangst leidet, könnte das eine Erklärung sein. Mit dem Auftauchen von Kaito Kid verliert der Schülerdetektiv leider etwas an Präsenz. Besonders die Unterhaltungen zwischen Ran und dem verkleideten Dieb sind aber sehenswert. Witzige Szenen wurden eingebaut, wobei Kaito Kid das eine oder andere Mal leicht ins Lächerliche gezogen wird, was schade ist. Wenigstens handelt es sich um kurze Szenen und danach kommt der fachmännische und gewitzte Meisterdieb wieder zum Vorschein. Die Zusammenarbeit zwischen Conan und Kid passt perfekt, denn beide wollen diese Terrorgruppe vom Schiff kriegen. Conan um die anderen zu retten und Kid wegen des Diamanten. Da die Killerbakterien so im Vordergrund stehen, vergisst man schnell, dass Kaito Kid es eigentlich auf einen Diamanten abgesehen hat. Bis auf das letzte Drittel gefällt mir das Abenteuer ohne Mordfall sehr, danach verliert es leider an Glaubhaftigkeit.
© Kazé Anime
Veröffentlichung: 13. Mai 2021