Kino’s Journey -the Beautiful World- the Animated Series (Folge 7)

Geschichtliche Ereignisse zeichnen sich dadurch aus, dass sie vor der eigenen Zeit stattfanden. Kenntnis darüber erlangt man nur durch verbale Überlieferungen oder Dokumentationen wie etwa historische Chroniken. Doch beides geschieht durch Menschenhand und so wird zwangsläufig auch manch ein Ereignis willentlich oder unwillkürlich verdreht. Die siebte Folge Kino’s Journey -the Beautiful World- the Animated Series schwelgt ganz im Zeichen der Vorgeneration von Kino und Hermes.

Kino verspeist einen Hotdog. Das erinnert sie an einen Trainingsvorfall mit ihrer Meisterin, während diese Würste anbriet. Zu der Gelegenheit erzählt Kino von einem der Abenteuer aus der Jugend ihrer Meisterin in dem Land, zu dem sie auf dem Weg sind. Es ist ein Land, das besonders bekannt ist für seinen großen Uhrenturm im Zentrum. Ehemals ein Königsschloss, stand es auch schon beim Besuch von Kinos Meisterin unter Denkmalschutz und war gleichzeitig Sitz aller staatlichen Institutionen des Lands. Neben den Ministerien umfasste das vor allem auch eine korrupte Polizei. Die Begleitung von Kinos Meisterin, ein junger Mann, wird kurzerhand von ihr verhaftet, da man in seinen Taschen Drogen gefunden habe, die ihm, bei aller Häme der Polizisten, offensichtlich heimlich untergejubelt wurden. Kinos Meisterin versucht mitzuspielen und bietet Schmiergeld an, was dem gierigen Polizeichef jedoch nicht genug ist. Ohne viele Worte und unverrichteter Dinge verlässt sie das Land erst einmal umgehend, aber auch nur, um daraufhin einen Überraschungsangriff zu starten. Denn sie kann auch ganz andere Geschütze auffahren.

Eine Meisterin, vor der selbst Kino Angst hat

Dass Kino locker einen Meistertitel im Schießen inne haben könnte, hat fast jede Folge dieser Staffel schon zur Schau gestellt. Doch auch sie hat diese Fähigkeit erst von jemandem beigebracht bekommen und ihre Meisterin steht ihr auch im Alter kaum nach, geschweige denn in ihrer Jugend. Die Meisterin und ihr Partner sind wie Shizu, Tii und Photo wiederkehrende Nebenfiguren der Vorlage. Diese Folge fällt auch wieder der selektiven Auswahl der Geschichten etwas zum Opfer. Kino ist erst durch die Meisterin das geworden, was sie nun ist, doch hat man in dieser Serie immer noch nicht erlebt, wie sie zuvor war. Und vor allem hat man kaum erlebt, wie Kino auf den Reisen in der Regel ist: neutral, eher nur beobachtend und sich bis auf diverse Ausnahmen nicht in die Belange des Landes einmischend. Die Serie hat sich vornehmlich diese Ausnahmen zur Adaption herausgepickt und Kino wirkt rein in der neuen Serie eigentlich kaum anders als ihre Meisterin, auch wenn diese einen Ticken dreister daherkommt. So fehlt ein Kontrast fast gänzlich, bei der Kino sich eigentlich vom Charakter ihrer Meisterin distanziert, aber offensichtlich einiges abfärbte, das immer mal wieder zum Vorschein kommt. Schade ist auch, dass auch einige Referenzen eher untergehen. Der Woodman aus Folge 3, von dem Kino sich nicht trennen wollte, ist z.B. ein Geschenk vom Partner der Meisterin gewesen. In der zweite Folge hat Kino im Kolosseum zu Hermes gesagt, dass man ab und an alles geben muss, oder die eigenen Fähigkeiten rosten ein. Das Gleiche sagt auch die Meisterin in dieser Folge (auch, wenn die Hälfte im Anime weggekürzt wurde). Wobei man in dieser Adaption das „manchmal“ doch eher leider mit „meistens“ ersetzen muss.

Menschliche Erzählungen sind unzuverlässig

Kinos Erzählung kommt bereits aus zweiter Hand. Mehr als genug Platz für Verschönerungen und andere Verdrehungen. Die Polizei ist einerseits absolut offen korrupt, sodass es überhaupt nicht übersehen werden kann, gleichzeitig aber auch vollkommen inkompetent bis absolut jämmerlich. Einseitige Charakterisierung von Nebenfiguren ist nun nicht wirklich Neues in der Serie, aber kommt es kaum störend vor, da es sich um eine Erzählung mit unzuverlässigen Erzähler handelt. Gemessen am Charakter der Meisterin, mochten die Gestalten der Polizei ohne Frage für sie tatsächlich so ausgesehen haben und von Kino, die vor allen die Brachialität und Unberechenbarkeit der Meisterin fürchtet, wurde die Erzählung sicherlich auch erst recht in dieser Hinsicht unwillkürlich noch einmal betont. Die Ereignisse entbehren nicht einer gewissen Absurdität, die der Serie hier aber ganz gut steht, da die Erzählung einer klassischen Komödie gleicht. Als schließlich das Land selbst von Kino und Hermes besucht wird, lernt man eine weitere Version der Ereignisse kennen, da die Meisterin und ihr Partner als Helden gefeiert werden, die die Korruption des Landes beendet haben. Doch auch diese Fassung ist mehr als offensichtlich ausgeschmückt, da der alte humpelnde Mann peinlich berührt herumdruckst, als Kino ihn darauf anspricht, dass er und viele andere alte Männer mit einem Stock herumlaufen. Ein Beweis für einen gewissen Wahrheitsgehalt der Geschichte der Meisterin. Doch kann man letztlich als Unbeteiligter niemals mit absoluter Zuverlässigkeit die tatsächlichen Ereignisse rekonstruieren, aber zumindest eine Idee haben, wenn man die Beteiligten kennt. Aber am Wichtigsten ist immer noch: Schau nach vorne.

Diese Geschichte muss ein Goldstück für das Animeteam zum Adaptieren gewesen sein, da auch schon in der Vorlage der gröbste Teil nur aus Dialogen und Erzählungen besteht, was (gekürzt) so beibehalten wird. Viel zu animieren gab es nicht. Viel einzufärben auch nicht, da der erzählte Teil in Sepiatönen gehalten ist. Damit kommt die Folge auch gar nicht in die Bredouille, fehlendes Budget bzw. entsprechendes Fachtalent kaschieren zu müssen. Es ist schade, dass nicht die Mehrheit der Serie aus solchen Geschichten besteht. In der nächsten Folge dieser Serie, bei der ich ich mittlerweile fast geneigt bin sie „Kino’s Jouney – The Vintage Selection“ zu nennen, kommen Tii und Shizu wieder vor.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben sich verständigt zu bekommen vertreibt sie sich gerne die Zeit mit dem Lernen verschiedener Formen von Sprachen – Wofür sie offenbar aber kein besonders großes Talent zu haben scheint.

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