Terminator

Während den Dreharbeiten von Piranha 2 – Fliegende Killer hatte James Cameron einen (Fieber-)Traum von einem Roboter-Skelett, das in Flammen gehüllt war. Daraus geboren wurde The Terminator, eine der Ikonen der 80er, die das Action-Genre maßgebend prägen sollten und den Mythos Arnold Schwarzenegger begründeten. Natürlich war der Österreicher bereits zuvor durch Conan der Zerstörer bekannt. Doch seine Oneliner sorgten dafür, dass Terminator als B-Movie zu einem Klassiker werden sollte. Der erste Teil der Reihe mag zwar den Auftakt darstellen, gilt jedoch nicht als Fanliebling. Diese Rolle wird von der Fortsetzung Terminator 2 – Tag der Abrechnung eingenommen.

    

Ein Cyborg, der Terminator, reist in die Vergangenheit ins Jahr 1984, um die Mutter eines bedeutenden Mannes in der Zukunft zu töten. Die Rede ist von Sarah Connor, deren Sohn John im Jahr 2029 die Dominanz der Cyborgs beenden wird. Nachdem der Terminator mehreren Frauen mit dem Namen Sarah Connor auflauert und sie tötet, wird auch die Polizei auf die namentlich identischen Opfer aufmerksam, zwischen denen keine weiteren Parallelen existieren. Als Sarah Connor in den Nachrichten davon erfährt, sucht sie das Weite und flieht in eine Diskothek, in der sie in letzter Sekunde von einem Mann namens Reese vor der Ermordnung gerettet wird. Doch es ist kein leichtes Unterfangen, dem Terminator zu entkommen…

Der Zeitgeist der 80er, ein Evergreen

Mit einem Budget von 6,4 Millionen Dollar zählt Terminator faktisch zu den B-Filmen. Damit kostete Camerons Epos weniger als die Hälfte eines damals durchschnittlichen Hollywoodfilms. Dabei handelt es sich um mehr als nur einen Actionfilm. Er ist eine clever durchdachte Zeitreisemär, die den Zeitgeist des Jahres 1984 einzufangen weiß. Der hämmernde Score von Brad Fiedel fängt nicht nur die damalige Zeit ein, sondern versorgt den Film mit einem Pulsschlag, der aus dem linearen Film mehr zu machen weiß, als auf den ersten Blick vorhanden ist. Denn mit einem Blick hinter die Fassade eröffnen sich erstaunlich tiefgründige Gedanken, deren Ursprünge in der christlich-abendländischen Mythologie fest verwurzelt sind: Das Spannungsverhältnis zwischen der Ausübung des freien Willens und theologischer Bestimmung. Wie zweckbestimmt sind wir und wo beginnt bzw. endet die Freiheit? Einer der Kerngedanken, der hier aufgegriffen wird: Ein Mensch und eine Maschine aus der Zukunft (genauer gesagt aus dem Jahr 2029) landen im Jahr 1984 und das, um einer Frau nachzujagen, die in der Zukunft die Mutter eines Mannes sein wird, der die Welt in der Zukunft vor der Herrschaft der Cyborgs erlösen soll. Die Thematik wird in der Literatur als Großvaterparadoxon bezeichnet und ist das am häufigsten verwendete Beispiel, um Probleme mit der Kausalität bei Zeitreisen zu illustrieren.

Mehr als ein Actionfilm: Die Cleverness des Drehbuchs

Originaltitel The Terminator
Jahr 1984
Land USA
Genre Science-Fiction, Action
Regisseur James Cameron
Cast Terminator T-800: Arnold Schwarzenegger
Kyle Reese: Michael Biehn
Sarah J. Connor: Linda Hamilton
Lieutenant Ed Traxler: Paul Winfield
Detective Vukovich: Lance Henriksen
Ginger Ventura: Bess Motta
Dr. Peter Silberman: Earl Boen
Matt Buchanan: Rick Rossovich
Laufzeit 107 Minuten
FSK

Als der Film 1984 erschien, waren die Effekte revolutionär. Terminator gehört nicht zu den Filmen, die gut gealtert sind. Doch angesichts der hinter dem Film steckenden Ambitionen ist das verzeihlich. Denn selbst in eher ruhigen, von Dialog dominierten Szenen werden Story und Beziehungen der Charaktere entscheidend vorangetrieben. Wie doppelbödig und intelligent die Geschichte erzählt ist, zeigt sich in einem unvorhersehbaren Twist: Auf der Flucht entwickelt sich eine Romanze zwischen Sarah und Reese, die das Resultat mit sich bringt, dass Reese der Vater des John Connors in der Zukunft wird. Hierin wird wieder das Paradoxon aufgeführt: Mit Sarahs Tod wäre die Geburt John Connors verhindert, dieser hätte 2029 nicht die Menschheit gerettet und der Terminator wäre nie in die Vergangenheit gereist. Da allerdings beide Fälle eintreten, schließt sich der Kreislauf, welcher besagt, dass das Schicksal des Terminators von Anfang an besiegelt ist und in seiner Zerstörung liegt. Ein brillanter Clou!

Ursprünglich für die Rolle des Reese vorgesehen, kamen er und James Cameron überein, dass ihm die Rolle des Terminator besser stünde. Schwarzenegger wird gerne auf wenig Mimik und geringfügig emotionale Schauspielkunst reduziert. Diese beiden Facetten sorgen dafür, dass der Terminator entsprechend glaubhaft ausfällt. Er erfüllt seine ihm einprogrammierte Mission, schert sich um nichts anderes und ist nicht mehr als eine Maschine, die in ein stählernes Äußeres verpackt wurde. Als das titelgebende Böse lässt seine Rolle auch nicht viel darüber hinaus zu. Michael Biehn repräsentiert mit Reese die menschliche Intelligenz und bietet einen fast gleichwertigen Gegner (aber nicht, wenn man die gesamte Reihe betrachtet). Linda Hamilton darf hingegen eine Figur spielen, die nicht nur eine glaubhafte Chemie zu Reese aufbaut, sondern auch alleine betrachtet zur Zielstrebigkeit hin eine Entwicklung vorlegen und somit innerhalb des Action-Genres ihr ganz eigenes Ausrufezeichen setzen darf. Doch sie ist noch viel mehr: Sinnbild eines Menschen, der sich seiner sozialen Verantwortung hingibt. Schließlich hängt das Schicksal der Menschen der Zukunft von ihren Entscheidungen in der Vergangenheit ab. Sie nimmt die Verantwortung ernst und zieht praktische Konsequenzen daraus.

Terminator und seine Folgen

Terminator war ein voller Erfolg. Alleine in den USA spielte der Film über das Fünffache seiner Kosten wieder ein. Von vielen Kritikern zurecht gefeiert, genießt der Film heute bei Fans Kultstatus. Sieben Jahre später sollte sich Schwarzeneggers prophetischer und seitdem vielzitierter Einzeiler „I’ll Be Back!“ („Ich komme wieder!“) bewahrheiten, und mit Terminator 2 – Tag der Abrechnung die Fortsetzung in den Kinos anlaufen. Was bedeutete Terminator für das Filmgeschäft? Eine Welle von Filmen, die sich mit künstlicher Intelligenz und Cyborgs befassen, wurde losgetreten. Mehr als 70 Filme, die Referenzen aufweisen, weiß die Internet Movie Database aufzulisten. Dass auch andere Regisseure etwas von dem Kuchen abhaben wollten, überrascht nicht. Das dreisteste Beispiel stammt aus Italien: Der 1989 entstandene Film Conterminator wurde dort als Terminator 2 verkauft, ehe die offizielle Fortsetzung 1991 erschien. Auch über seine Trittbrettfahrer hinaus konnten narrative Strukturen etabliert werden. Hollywoods Interesse an B-Movies stieg und aus dem schnellen Filmfutter wurden Videothekenblockbuster.

Man mag kaum glauben, wieviel hinter einem augenscheinlich schlichten Blockbuster doch liegt. Terminator ist völlig zurecht ein Meilenstein des Genres und wartet mit einer faszinierenden Geschichte auf, die ihren Tiefgang erst im Laufe des Geschehens entfaltet, gerne auch mal mitten in einem Duell. Viele Science-Fiction-Filme stehen und fallen mit der Qualität ihrer Effekte. Eine Rolle spielen diese hier nicht, denn was 1984 noch State of the Art in Sachen Storytelling war, ist ein heute anerkanntes Erzählmuster und bleibt deshalb nach wie vor sehenswert.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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